In der Ulmer Hotellerie gibt es derzeit nur ein Thema: die Ansiedlungspläne von Motel One am Münsterplatz. Der Ulmer Drogerie-Unternehmer Erwin Müller hat sich vertraglich an die Münchner Hotelkette gebunden und will das ehemalige Abt-Gebäude in ein 150 Betten-Haus umbauen. Das bedeutet, dass die Zahl der Hotelbetten in der Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm nochmal steigen wird.

1000 zusätzliche Betten in den nächsten zwei Jahren

Insgesamt sechs bis sieben größere Neubau-Projekte kennt Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik, unabhängig von Motel One. Außer dem „Me and all“-Hotel, das die Düsseldorfer Lindner-Gruppe am Bahnhof baut, werde derzeit in der Deutschhausgasse, in der Kässbohrer-Straße und auf Neu-Ulmer Seite in weitere Betrieb investiert. „In den nächsten zwei Jahren werden 1000 neue Betten entstehen“, sagt Dieterich, der die Entwicklung kritisch oder zumindest „zwiegespalten“ sieht.

Schon jetzt gebe es in den beiden Städten 5500 Betten zu belegen. Durch den Ausbau der Kapazität sieht er einen Preis- und Konkurrenzdruck auf die Stadt zurollen, der „mittlere und kleinere Betriebe gefährden“ könne.

Dehoga will, dass im Städtetourismus geklotzt wird

Dieses Risiko sieht auch Karin Krings. Die Chefin des Hotels „Goldenes Rad“ und Vorsitzende der Ortsgruppe des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sagt aber auch: „Druck muss nicht immer schlecht sein. Er kann auch positiv wirken.“ Mit Motel One habe man immerhin ein Unternehmen mit einem „super Konzept“ gewonnen. Darum müssten jetzt alle bestehenden Betriebe schauen, dass sie „gut bleiben oder werden“. Entscheidend werde dann aber auch, dass man städtischerseits mehr Wert auf die Förderung des Städtetourismus lege. „Da muss man jetzt klotzen.“

Ebbo Riedmüller hätte selbst gerne am Münsterplatz investiert

„Motel One ist eine Bereicherung für Ulm“, sagt Ebbo Riedmüller. Der Hotelier meint: „Das ist kein Grund zum Jammern, und wer gut ist, wird daran nicht pleite gehen. Riedmüller übernachtet selbst gerne in den Häusern der Münchner Kette (“Das ist tiptop“), er gibt allerdings auch zu, dass er, was den Standort am Münster angeht, gerne selbst in der Rolle des Betreibers wäre: „Ich hätte das auch gerne gemacht.

Vize-Direktor des Maritim wundert sich über die Tourismus-Verantwortlichen

„Das steigert die Attraktivität des Standorts. Ich sehe das immer auch als Endkunde“, sagt Martin Vintiska, der Vize-Direktor des Ulmer Maritim-Hotels. Er hält Motel One für „ein tolles Unternehmen“ und wundert sich etwas über die zurückhaltenden Reaktion der Tourismus-Verantwortlichen: „Die müssen sich eigentlich freuen.“

Lindner-Gruppe in Düsseldorf rechnet mit Marktbelebung

Wie genau die Gemütslage am Donnerstag in der Düsseldorfer Zentrale der Lindner-Hotels war, ließ Pressesprecherin Catherine Bouchon gestern nicht erkennen. „Grundsätzlich belebt das den touristischen Markt“, kommentiert sie die Ansiedlungspläne von Motel One. Zumal die Müncher Hotelgruppe „richtig gut“ sei. In ihrem Budget-Segment wohlgemerkt. Dem Vier-Sterne- und dem Event-Konzept der „Me and all“-Hotels von Lindner komme Motel One nicht in die Quere.