Mit diesem Plädoyer hatte zu Prozessbeginn noch niemand gerechnet - am allerwenigsten die Staatsanwaltschaft. Sie war in der Anklageschrift noch von einem gemeinschaftlichen Mord ausgegangen, den die drei Angeklagten im Dezember 2012 vor einem türkischen Vereinsheim in der Neu-Ulmer Industriestraße begangen haben sollen. Damals waren im Verlauf eines Streits der  Sicherheitsunternehmer Eduard W. erschossen und sein Begleiter Alexander S. durch Schüsse schwer verletzt worden . Ursprünglich war von einer verabredeten, vorsätzlichen Tat der Gebrüder Blerim und Bestrim B. sowie Asmon G. die Rede. Hintergrund sollen die Ambitionen zur Übernahme von Türsteherdiensten durch die rockerähnlichen Gruppierung "Rock Machine" gewesen sein, der die Angeklagten angehören.

Davon ist am Ende der umfangreichen Beweisaufnahme, die geprägt war von schweigenden Angeklagten, zum Teil verstockten und unwillig aussagenden Zeugen und einer dürren Beweislage nicht mehr viel übrig. Einzig der Verdacht, mit Asmon G. den Todesschützen auf der Anklagebank zu haben, stellte sich als richtig heraus, weil er die Tat selbst einräumte, dabei allerdings auch angab, aus Notwehr gehandelt zu haben. Was die Staatsanwaltschaft jedoch nicht glaubte.

Allerdings rückte die Anklage in ihrem Plädoyer von dem Mordvorwurf ab und beantragte Asmon G. wegen unerlaubten Waffenbesitzes, versuchten Totschlags und Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren zu verurteilen. Zumal nicht davon auszugehen sei, dass die Opfer arglos gewesen und heimtückisch in eine Falle gelockt worden seien. Vielmehr habe das Trio um Bordellbetreiber Murat C. mit einer Schlägerei gerechnet; auf dessen Bestreben hin sei das Treffen zustande gekommen, weil er die späteren Angeklagten für eine Bombendrohung auf sein Etablissement und eine Stinkbombenattacke auf die Diskothek Myers zur Rede stellen wollte. "Aufgrund der Bewaffnung" müsse man davon ausgehen, dass alle mit einer "erheblichen körperlichen Auseinandersetzung" gerechnet hätten. Nicht jedoch mit dem Einsatz einer Schusswaffe, so die Staatsanwaltschaft - wenn dem so gewesen wäre, hätte Eduard W. die schusssichere Weste angezogen.

Nach Ansicht der Anklage hatte sich Folgendes abgespielt: Auch wenn nicht gesichert sei, wer den Erstschlag ausgeführt habe, sei Blerim B. nach wechselseitigen Beleidigungen von Murat C. geschlagen und kurz darauf von Alexander S. mit einer Teleskopstange attackiert worden. Dann habe Asmon G. mit der bereits durchgeladenen und entsicherten Pistole durch seine Jackentasche auf Eduard W. gefeuert und dann auf Alexander S. geschossen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte Bestrim B., der "keinen Beitrag zum Kerngeschehen" geleistet habe, frei zu sprechen und gegen seinen älteren Bruder eine Freiheitsstrafe wegen versuchter Strafvereitelung von einem Jahr und acht Monaten zu verhängen, weil er Asmon G. das Fluchtauto überlassen habe.

Zwar sei das Geschehen von Murat C. "maßgeblich provoziert" worden, was an der Verwerflichkeit der Tat nichts ändere, zumal Asmon G. mit der "verdeckten Schussabgabe" dem Opfer keine Chance gelassen habe und er mit "Vernichtungswillen gehandelt" habe. "Wer sonst trägt eine entsicherte und durchgeladene Waffe in der Tasche?"

Kommende Woche hat die Verteidigung das Wort.