„Cold Case“ heißen Schwerverbrechen, die auch Jahre nach der Tat nicht aufgeklärt sind. „Kalte Fälle“ wie die Amerikaner sagen, oder eben Altfälle im Deutschen, von denen sich Kriminaloberrat Markus Schlemmer von der Kripo in Aschaffenburg zumindest bei einem Fall mit Bezug zu Neu-Ulm erhofft, dass der nun wieder „etwas wärmer wird“.

Gemeint ist die Ermordung der am 25. Oktober 1990 verschwundenen Ramona Böttcher aus Neu-Ulm, deren Leichnam sieben Wochen später in einem Waldstück bei Miltenberg in Unterfranken gefunden worden war. Jetzt wird dieser Fall neu aufgerollt und wie zwei weitere ungeklärte Mordfälle in das so genannte „Cold-Case-Verfahren“ aufgenommen.

Erfolg

Um den Jahreswechsel hatte die Kripo Aschaffenburg einen 30 Jahre alten Fall von Vergewaltigung mit Mordversuch aufgeklärt und den Täter gefasst. Nicht nur, dass dieser Altfall geklärt war, es ergaben sich auch Verdachtsmomente zu drei anderen Fällen – darunter zu dem des damals im Alter von 16 Jahren verschwundenen Mädchens aus Ludwigsfeld. Neu ist, dass zur Bearbeitung dieser Altfälle in Aschaffenburg eine komplett neue Arbeitsgruppe eingerichtet wurde, die sich ausschließlich um die Cold-Case-Fälle kümmert. „Wir möchten, dass die Angehörigen endlich Ruhe finden und die Täter diese Ruhe nie finden“, wird Schlemmer zum Start der Arbeitsgruppe vor wenigen Tagen in der örtlichen Presse zitiert.

Was war geschehen?

Ramona Böttcher war am Donnerstag vor genau 28 Jahren wie so oft in jenen Tagen in der Neu-Ulmer Diskothek „Cheers“, die seinerzeit stark von amerikanischen Soldaten besucht war. Von diesem Discobesuch war sie nicht mehr heimgekehrt. Eine Freundin, mit der sie in dem Lokal gewesen war, hatte sich kurz vor Mitternacht auf den Heimweg begeben, Ramona war alleine zurückgeblieben.

Kein Verdächtiger

Die Kriminalpolizei war damals davon ausgegangen, dass die 16-Jährige vermutlich noch im Raum Neu-Ulm auf ihren Mörder getroffen war. Eine heiße Spur gab es in dem Verfahren aber nie, ein Verdächtiger konnte damals nicht ermittelt worden.

Wahrscheinlich, so die Spekulation, war sie auf dem kurzen Heimweg von Neu-Ulm nach Ludwigsfeld, wo Ramona bei ihren Eltern gelebt hatte, in ein fremdes Auto gestiegen – bis heute ist nicht klar, was sich zwischen dem 25. Oktober und dem 16. Dezember zugetragen hat, als ihr Leichnam gefunden wurde. Nur spärlich bekleidet hatten sie Spaziergänger in einem Waldstück nahe des Miltenberger Ortsteils Wenschdorf gefunden.

Zur Todesursache macht die Polizei bis heute keine Angaben, hierbei handelt es sich um Täterwissen – also Wissen, dass sonst nur der Täter selber hat. Die Polizei glaubt immer noch, den Fall aufklären zu können, wenngleich sich die Hoffnungen nicht bestätigt haben, gleich mehrere Fälle auf einen Streich gelöst zu haben. „Wir haben den Fall nochmal aufgerollt und mit unserem Verdächtigen abgeglichen“, sagt der Leiter der Kripo Aschaffenburg: „Es gibt aber keinen Hinweis auf eine Übereinstimmung. Wir konnten nichts nachweisen.“

Ermittlungen noch nicht rund

Geschlossen wird die Akte dennoch nicht. „Wir haben die Papierakte im Zuge der neuen Ermittlungen vollständig digitalisiert. Jetzt hoffen wir, dass der kalte Fall wieder etwas wärmer wird“, sagt Schlemmer. Seinen Worten zufolge wird jetzt alten Spuren nachgegangen, auch solchen, die damals als wenig erfolgsversprechend nicht weiterverfolgt worden waren. Zeugen werden wieder vernommen und auch DNA-Spuren verglichen.

„Viel haben wir nicht, das stimmt“, räumt der leitende Kriminalbeamte ein, aufgeben will er aber nicht: „Irgendwie sind die Ermittlungen von damals noch nicht ganz rund.“

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Alb-Donau-Kreis

Ungeklärte Mordfälle in der Region


Schwerverbrechen In Stadt- und Landkreis Neu-Ulm ist der Fall von Ramona Böttcher nach Informationen der Kripo der einzige noch ungeklärte Mordfall. Auf der anderen Donauseite gibt es zwei solcher Schwerverbrechen in Ulm und dem Alb-Donaukreis, die ungeklärt sind. Da ist zum einen der Fall von Rafael Blumenstock, der ebenfalls 1990 getötet wurde. Sein Leichnam war am 4. November etwa auf Höhe des Kaufhauses Abt auf dem Ulmer Münsterplatz gefunden worden, wo heute noch eine Steintafel in den Boden eingelassen ist. Ebenfalls ungeklärt ist der Mord an einem Blumenhändler in Laichingen, der am 4. Oktober 2011 auf offener Straße erschossen wurde.