Schule Mögliches Schulzentrum in Wiley-Nord geplant

Der Stadtrat räumt die Steine weg: In Wiley-Nord wird die neue Mark-Twain-Grundschule gebaut, vielleicht auch das Lessing-Gymnasium.
Der Stadtrat räumt die Steine weg: In Wiley-Nord wird die neue Mark-Twain-Grundschule gebaut, vielleicht auch das Lessing-Gymnasium. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 13.03.2015
Die Stadt Neu-Ulm hat die Weichen dafür gestellt, dass in Wiley-Nord ein zweites Schulzentrum entstehen könnte – mit Grundschule und neuem Lessing-Gymnasium. Letzteres entscheidet aber der Landkreis. Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka: Nachdenken ist Pflicht

Ein Schulzentrum hat Neu-Ulm schon seit vielen Jahren, draußen zwischen Pfuhl und Burlafingen mit dem Bertha-von-Suttner-Gymnasium, der Inge-Aicher-Scholl-Realschule und der Karl-Salzmann-Mittelschule und der Rupert-Egenberger-Förderschule für Lernbehinderte. Möglicherweise kommt in den nächsten Jahren ein zweiten Schulzentrum in Wiley-Nord dazu. Der Neu-Ulmer Stadtrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch gegen drei Stimmen der Freien Wähler beschlossen, dass – wie bereits berichtet – die neue Mark-Twain-Grundschule gleich hinter dem Parkhaus beim Dietrich-Kino gebaut wird.

Mit dem zweiten Beschluss wird dem Landkreis ebenfalls Wiley-Nord als Standort für den Neubau des Lessing-Gymnasiums angeboten. Alternativ kann sich die Stadt das neue Gymnasium aber auch in Wiley-Mitte an der Memminger Straße vorstellen. Was das Gymnasium betrifft, hat die Stadt nichts zu entscheiden, denn als Schulaufwandsträger ist dafür allein der Landkreis Neu-Ulm zuständig.

Für die durch den Zuzug neuer Familien notwendig gewordene neue Grundschule hat die Stadt insgesamt vier Standort-Varianten untersucht: Zum einen war in Erwägung gezogen worden, für 8,6 Millionen die Vorfeld-Grundschule zu sanieren und zu reaktivieren. Diese Lösung wurde aber genauso verworfen, wie der Standort im Bereich der alten Hochschule im Vorfeld oder in Wiley-Mitte. Die Kosten für einen Neubau werden von der Stadt mit 11,4 Millionen Euro angegeben.

Mit Ausnahme der Freien Wähler waren auch alle Fraktionen mit dieser Lösung einverstanden. Wiley-Nord wurde von Annette Neulist (CSU), Antje Esser (SPD) und Mechthild Destruelle explizit als guter Standort bezeichnet. Die Freien Wähler beantragten vergeblich eine Vertagung der Abstimmung. Die Begründung von Christina Richtmann: Es sei noch unklar, wo das neue Lessing-Gymnasium tatsächlich stehen soll, auch ob und wo das geplante Basketball-Trainingscamp gebaut wird. Als Standort dafür konkurrieren in Neu-Ulm das Gelände des alten Donaubads an der Adenauer-Brücke und der von der FDP angesprochene Standort in Wiley-Mitte. Und letztendlich stehe vielleicht der Bau eines neuen Landratsamts an, spekulierte Richtmann. Für einen großen Wurf lohne es sich, erst einmal abzuwarten. Dem konnte sich die Mehrheit im Neu-Ulmer Rat nicht anschließen.

Diskutiert wurde auch darüber, welche Standorte die Stadt dem Landkreis für das neue Lessing-Gymnasium vorschlägt. Bauherr ist der Landkreis, der aber noch nicht entschieden hat, ob das in die Jahre gekommene Lessing-Gymnasium am alten Standort aufgebaut wird oder ob man einen Neubau in Wiley-Nord oder Wiley-Mitte vorsieht.

Sollte das Lessing-Gymnasium in Wiley-Mitte gebaut werden, müsste die Stadt ihre Pläne für das neue Wohngebiet dort in großen Teilen überarbeiten. Im Mai 2013 war beschlossen worden, dass dort 770 Wohnungen entstehen sollen, davon 240 nur für Studenten. Insgesamt sollten dort einmal 1500 Menschen leben. Weil jetzt in Wiley-Nord die neue Mark-Twain-Grundschule gebaut wird, fallen 60 Wohneinheiten weg. Mehr noch: Sollte sich der Landkreis auch für den Neubau des Lessing-Gymnasiums in Wiley-Nord entscheiden, würden nochmals 200 Wohneinheiten wegfallen. Gegen Wiley-Nord argumentierte dann auch Albert Obert (PRO Neu-Ulm). Und Alfred Schömig (FDP) war gegen Wiley-Mitte, weil er das Grundstück fürs Basketball-Camp vorgeschlagen hat. Also wurde getrennt abgestimmt mit der Folge, dass jeweils gegen drei Stimmen beide Standort dem Landkreis vorgeschlagen werden.

Für OB Gerold Noerenberg ist klar, dass der alte Standort des Lessing-Gymnasiums an der Augsburger Straße mit Wohnungen bebaut werden kann. Wie und wann das geschehen soll, ist aber noch unklar.

Warum die Vorfeldschule geschlossen wurde

Geschichte 2009 fiel in Neu-Ulm die umstrittene und auch hart umkämpfte Entscheidung, die Vorfeld-Grundschule zu schließen und die Kinder in den folgenden Jahren nach und nach der Weststadtschule zuzuschlagen. Weshalb letztere Schule auch ausgebaut worden ist. Die Entscheidung fiel im Lichte der damals gültigen rückläufigen Geburtenzahlen – die sich im Nachhinein als wenig zukunftstauglich erwiesen haben. Die Stadt Neu-Ulm wächst und ist gerade für junge Familien besonders attraktiv geworden. Und jetzt muss also eine neue Grundschule her.

Zukunft Die neue Mark-Twain-Grundschule soll also in Wiley-Nord gebaut werden. 2016 soll mit dem Bau begonnen werden, zum Schuljahr 2018/2019 soll sie fertig sein.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka: Nachdenken ist Pflicht

Da wurde im Neu-Ulmer Stadtrat am Mittwoch an großen Rädern gedreht, obwohl es nur darum ging, festzulegen, wo eine kleine, neue Grundschule gebaut werden soll. Zeitgleich wurde darüber gerätselt, für welchen Standort sich der Landkreis entscheidet, wo das neue Lessing-Gymnasium stehen soll, wo sich die Ulmer Basketballer in Neu-Ulm ihren Traum vom Trainingscamp erfüllen können. Und dann spielte noch der Neubau des Landratsamts eine Rolle.

Vieles ist also am Laufen hinter den Kulissen in den Städten. Das betrifft gerade auch das Basketball-Trainingscamp. Die Basketballmanager sind zurzeit dabei, die Fraktionen für ihre Idee zu erwärmen. Kein Wunder, dass darüber jetzt öffentlich diskutiert wird. Fakt ist, dass in Neu-Ulm eine neue Grundschule notwendig ist, und das möglichst schnell. Die Entscheidung für Wiley-Nord ist sicher richtig, vielleicht ist das auch der beste Standort fürs Lessing-Gymnasium. Genauso wichtig ist es, dass sich Neu-Ulmer Stadträte darüber Gedanken machen, wo das Trainingscamp am besten aufgehoben ist. Vieles spricht für den nicht neuen Vorschlag der FDP, in Wiley-Nord das Schulzentrum entstehen zu lassen und Wiley-Mitte für die Basketballer zu reservieren. Insgesamt könnte so im Wiley ein großes Schul- und Sportzentrum entstehen mit vielen Synergien.

Darüber länger nachzudenken, lohnt sich nicht nur, es ist eigentlich die Pflicht von gewählten Stadträten.

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