Einen vorgegebenen Kurs fahren, Hindernissen ausweichen, einparken und sich dabei von Prüfern beurteilen lassen – klingt nach Führerscheinprüfung? Na ja, nicht ganz. Geprüft wurde schon, nur kein 17- oder 18-jähriger Anwärter. Gefahren wurde auch, nur nicht von einer Fahrerin. Sondern von einem Spatz. Und zwar vollkommen autonom, vulgo: ganz von allein.

„Spatz 6“, so heißt das führerlose Mini-Auto des Teams Spatzenhirn der Uni Ulm, das schon zum dritten Mal den Carolo-Cup eingefahren hat. Studenten-Mannschaften aus Deutschland, Schweden und Russland ließen an der TU Braunschweig heuer wieder ihre Modellfahrzeuge gegeneinander antreten. Mit dabei: 13 Ulmer und ihr Spatz. Ein Haufen Jungs, die mit ferngesteuerten Autos gegeneinander spielen? Mitnichten. Zum einen machen Studentinnen mit, zum anderen sind die 80er schon lange vorbei: Das Modellauto von heute – Maßstab 1:10 – fährt dank Kameras und Sensoren selbstständig. Vor allem aber: „Der Wettbewerb ist praktischer Teil unserer Ausbildung, in dem die Studenten lernen, die Theorie umzusetzen und im Team ein größeres Projekt gemeinsam zu stemmen“, erklärt Prof. Klaus Dietmayer. Der Leiter des Instituts für Mess-, Regel- und Mikrotechnik hatte die Teilnahme am Cup vor einigen Jahren angeregt – schließlich beschäftigen sich seine Studenten mit autonomem Fahren.

Mit Erfolg: Besonders gut war der Spatz 6 im schnellen Einparken, außerdem war er der schnellste Flitzer auf dem Rundkurs: Innerhalb der vorgegebenen zwei Minuten legte er 241 Meter zurück – macht etwas mehr als zwei Meter pro Sekunde.

Ganz allein hat der Spatz das natürlich auch nicht geschafft. Die jungen Konstrukteure – Durchschnittsalter 21 Jahre – haben dem Mini-Auto einen niedrigen Schwerpunkt und einen Allrad-Vortrieb verpasst. Weil so jedes Rad einzeln angesteuert werden kann, schafft der Spatz eine hohe Kurvengeschwindigkeit. Außerdem wurde die Software so programmiert, dass das Fahrzeug die Spurmarkierung des Parcours erkennt. Damit holten die Studenten den Cup als erstes Team zum zweiten Mal in Folge – ganz und gar keine Spatzenhirne also.

Dabei geht’s nicht allein um technische Fähigkeiten. Die Studenten müssen auch selbstständig Sponsorengelder einwerben – das gehört zum Wettbewerb. Und die Teilnahme daran kann sich so richtig lohnen, sagt Dietmayer: „Diejenigen, die Teil des Gewinnerteams sind, brauchen sich nach dem Studium um einen Job keine Gedanken mehr zu machen.“