Vollkommen unerwartet schließt Mitte 2017 das Modehaus Honer. Das traditionsreiche, im Jahr 1936 gegründete Bekleidungsgeschäft in der Neuen Straße gegenüber vom Rathaus, wurde zuletzt noch mit Millionenaufwand renoviert. Dennoch wollen die Inhaber Matthias und Susanne Bleicher das Modehaus zum 30. Juni schließen. Als Gründe nennen sie in einer Mitteilung den verschärften Wettbewerbsdruck in der Bekleidungsbranche und die verschlechterte Erreichbarkeit Ulms für Kunden aus dem Umland.

Matthias Bleicher sagte auf Anfrage, man habe die Entscheidung schweren Herzens getroffen und am Donnerstagabend der Belegschaft mitgeteilt: „Da sind viele Tränen geflossen.“ Zwar habe Honer 2016 höhere Umsätze erzielt, aber wegen des Preisdrucks in der Branche mit mehr Wareneinsatz und ohne die notwendigen Erträge „Das ist tödlich für jeden Einzelhändler.“ Daher sei im Einvernehmen mit Beratern die Entscheidung zu einer geordneten Schließung zum 30. Juni gefallen.

Dies lasse auch den Mitarbeitern noch Zeit, sich nach einer neuen Stelle umzuschauen. Zur Zukunft der Immobilie mit annähernd 3000 Quadratmetern Fläche habe man sich noch keinerlei Gedanken gemacht. Die Aus nach 80 Jahren sei auch für die Gesellschafterfamilie Bleicher traurig, die mit den früheren Walz-Inhabern nur weitläufig verwandt ist.

Das Modehaus hatte nach Matthias Bleichers Worten schon beim mehrjährigen Umbau der Neuen Straße eine schwere Zeit durchlaufen und sei danach über längere Zeit wieder aufgepäppelt worden. Die Verkehrslage in Ulm habe sich im Zuge der Baustellen jedoch erneut verschlechtert. Es gebe langjährige Kunden aus dem Umland, die sich wegen Staus auf den Straßen und fehlender Parkplätze beklagen, in diesem Zuge mit Bedauern verabschieden und dabei gleich die neuen Einkaufsplätze ihrer Wahl nennen.

Wende nicht gelungen

Honer habe dagegen die Hausaufgaben erledigt und mit dem 2014 abgeschlossen, modernen Umbau im Volumen von etwa zwei Millionen Euro alles richtig gemacht: „Das ist ein wahnsinns-toller Laden“. Aber letztlich seien die Erwartungen nicht erfüllt worden, man habe keine Wende mehr herbeiführen können. Daher hätten die Inhaber beschlossen, „in geordneter Weise eine Betriebsstilllegung durchzuführen“, heißt es in der Mitteilung. Das Modehaus Honer mit zwei direkt nebeneinander liegenden Läden für Damen und Herren beschäftigte zuletzt rund 50 Mitarbeiter. In Glanzzeiten waren es schon 120.

Konkurrenz im Internet

Bleicher berichtet in der Mitteilung von einem „ruinösen Preiskampf“ im Textilhandel. So würden in der Bekleidungsbranche oft zu Beginn neuer Kollektionen hohe Preisnachlässe gewährt, so „dass ein auskömmlicher Betrieb von Bekleidungshäusern in unserer Größe mit qualifizierten Mitarbeitern nicht mehr möglich ist.“

Die großen Bekleidungsketten mit besseren Einkaufskonditionen geben demnach den Preisdruck nach unten weiter. Auch der immer stärkere Internet-Handel mit Online-Shops sei für diese Situation verantwortlich.

Seitens der IHK Ulm bedauerte Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle das Aus für Honer. Er bestätigte allerdings, dass in der Textilbranche – vor allem ausgelöst durch das Internet und große Anbieter wie Zalando – ein knallharter Wettbewerb herrsche: „Die Gründe treffen alle zu.“

Honer zunächst nur mit Herrenmode


Geschichte Das Modehaus Honer wurde von Martin Honer zunächst für Herrenmode in der Frauenstraße gegründet, wo es in der Bombennacht vom 17. Dezember 1944 völlig ausbrannte. Danach ging es übergangsweise in die Donaustraße und über den Münsterplatz 1956 an die heutige Adresse: dann auch mit Damenmode.