Handel Modedesignerin Višnja Oppenländer-Knoll hört auf

Zeit für eine Veränderung: Višnja Oppenländer-Knoll mit einer zu ihrem Modelabel passenden Sauerkirsche in ihrem Geschäft in der Rabengasse.
Zeit für eine Veränderung: Višnja Oppenländer-Knoll mit einer zu ihrem Modelabel passenden Sauerkirsche in ihrem Geschäft in der Rabengasse. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Julia Hawener 08.11.2018

Es ist in jeder Hinsicht eine Herzensangelegenheit“, sagt Višnja Oppenländer-Knoll, denn die 74-jährige Modedesignerin mit der Sauerkirsche im Label – Višnja ist kroatisch und bedeutet übersetzt Sauerkirsche – gibt ihren Laden in der Rabengasse auf und tritt kürzer. Eine Herzensangelegenheit ist es deshalb, weil sie nur schweren Herzens ihr geliebtes Geschäft aufgibt, diese Entscheidung jedoch zugunsten ihrer Gesundheit getroffen hat. Mitte oder Ende Januar soll der Laden endgültig geschlossen werden.

Ziemlich genau 30 Jahre war sie als selbständige Designerin in Ulm tätig, es sind „30 Jahre Ideen in Mode“. Diesem Motto ist sie immer treu geblieben: Višnjas Entwürfe sind außergewöhnlich: Da gibt es zum Beispiel Schals, die sie aus alten Krawatten gefertigt hat. Oder Haremshosen mit individuellem Design.  Als sie zunächst in der Hafengasse angefangen hat, seien viele skeptisch gewesen. „Die Leute haben mir gesagt, das wird nie laufen. Und jetzt schauen sie, denn es läuft!“, sagt sie mit breitem Grinsen. Sie entwirft Mode, die nicht für jedermann ist, aber das wolle sie auch gar nicht. „Besonderes ist immer anders“.

Spontane Entscheidung

Nun aufzuhören, sei eine „relativ spontane Entscheidung“ gewesen. Umso dankbarer ist die gebürtige Kroatin deshalb, dass sie eine junge Frau gefunden hat, die Interesse daran gezeigt hat, den Laden zu übernehmen. „Es war mir wichtig, dass das Geschäft in meinem Sinn weitergeführt wird und meiner Linie treu bleibt.“ Genau diese Fähigkeit habe sie in der hoffentlich zukünftigen Ladeninhaberin gefunden.

Višnjas Kunden müssen künftig jedoch nicht komplett auf ausgefallene Beinkleider und die dazu passenden Loop-Schals verzichten. Sie möchte weiterhin kleinere Kollektionen herausbringen, die dann exklusiv in der Rabengasse 16 unter neuer Leitung verkauft werden. „Ich habe immer noch so viele Ideen, ich werde nur kürzer treten“. Außerdem werden ihre bisherigen Lieferanten das Lädchen auch in Zukunft beliefern.

Ihre Serie „Kleiderkunst nach Motto“, für die sie besonders viel Aufmerksamkeit bekommen hat, will sie auch weiterhin am Leben erhalten. Denn diese auffallenden Kleider, die stets ein Motto tragen, liegen ihr besonders am Herzen. Eines ihrer Kleider widmet sich beispielsweise ganz dem Thema Nudeln, denn „Nudeln machen glücklich“. „Ich habe mal so eine Fastenkur gemacht, da durfte ich keine Kohlenhydrate essen. Ich hatte den ganzen Tag nur Nudeln im Kopf“, erzählt Oppenländer-Knoll lachend und zeigt stolz ihr Kleid, das komplett aus unterschiedlichsten Nudelsorten besteht. Aber auch ernstere Themen wie Nachhaltigkeit und Plastikmüll inspirierten sie zu Kleidungsstücken.

Sie sei öfter gefragt worden, wieso ihre Töchter den Laden nicht übernehmen. Beide seien ihre eigenen beruflichen Wege gegangen und in anderen Branchen erfolgreich. „Ich könnte auf meine Enkel warten, aber die Älteste ist erst zwölf“, fügt sie an und lacht ein herzerwärmendes Lachen.

Višnja hat schon Pläne für die Zukunft: Sie möchte eine Biografie schreiben und will eine Ausstellung in Ulm organisieren, mit all ihren zehn Kleidern ihrer Serie „Kleiderkunst nach Motto“. Bekannt als älteste Designerin Ulms, geht Višnja Oppenländer-Knoll nun mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Ich freue mich, dass eine junge erfahrene Modefachfrau den  Laden weiterführen möchte und frischen Wind reinbringt. Auf der anderen Seite bin ich unglaublich traurig aufhören zu müssen. Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen.“

Hose für Gottschalk, Hemd für Grönemeyer

Promis Nicht nur Frauen hat Višnja Openländer-Knoll eingekleidet. In den 80ern arbeitete sie als Musterdirektrice, auch für Prominente. Für Thomas Gottschalk fertigte sie eine Hose an, die er in seiner Show „Wetten, dass...?“ trug. „Er hat wirklich lange Beine.“ Herbert Grönemeyer stattete sie mit einem Hemd aus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel