Holzpaletten dienen als Regal für T-Shirts und Hemden, in einem alten Holzschrank stapeln sich Pullover, von einem Ast über der Kasse baumeln Ketten mit Perlen. An den Wänden hängen Bilder von Jascha Pansch, einem Fotografen  aus Bellenberg. „Mir ist wichtig, dass die Mode und der Laden nicht diesen Öko-Touch haben“, sagt Annemarie Brückner mit Blick in ihren Laden. Die Inhaberin von Fischerins Kleid im Ulmer Fischerviertel hat sich vor einem Jahr auf den Verkauf von fairer Mode spezialisiert. „Mir hat einfach so ein Laden in Ulm gefehlt.“ Kurzerhand eröffnete die gelernte Maßschneiderin das eigene Geschäft. „Bei fairer Kleidung denken viele gleich an Öko, das ist aber nicht dasselbe“, sagt Brückner. Sich vom Öko-Image abzuheben sei aber gar nicht so einfach. „Man merkt, dass man noch im Klischee steckt.“

Brückner ist wichtig, dass die Stoffe aus denen die Kleidungsstücke in ihrem Laden genäht werden, fair gehandelt werden, die Stoffe eine Bio-Qualität haben und das Endprodukt zu einem bezahlbaren Preis angeboten werden kann. „So etwa in einer Preiskategorie zwischen Esprit und Marc O’Polo.“ Bei der Qualität setzt sie auf international anerkannte Labels wie den Global Organic Textile Standard (GOTS). „Darauf muss ich mich verlassen“, sagt Annemarie Brückner. Sich vor Ort von den einzelnen Herstellern zu überzeugen, wäre zu aufwendig.

Sie achtet darauf, dass die Stoffe und Produkte von anspruchsvollen Labels zertifiziert wurden, die neben der Qualität auch auf die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter vor Ort und eine angemessene Bezahlung der Arbeiter achten. Zudem setzt sie auf kleine Modelabels aus der Region. Und vertreibt deren Produkte.

Gemeinsam mit einer Modedesignerin aus Altenstadt entwickelt Brückner Küchen-Accessoires wie Geschirrtücher oder Schürzen. Zum Einsatz kommen dabei auch ungewöhnliche Materialien wie alte Jeans oder Kordeln, die zum Teil aus benutzen PET-Flaschen hergestellt wurden. „Es gibt beispielsweise auch Viskose aus zu Garn verarbeiteten Holzresten oder Stoffe aus Hanf, die sich wunderbar verarbeiten lassen.“ Bedruckt werden die Modelle dann im Handsiebverfahren.

Wichtig ist Brückner, dass sich die Leute Gedanken darüber machen, woher ihre Kleidung kommt und wie sie hergestellt wurde.

Wenn es die Zeit zulässt, setzt sich die Maßschneiderin auch an die Nähmaschine und wird kreativ. Vor allem Kleidchen, Mäntel und Röcke näht die 39-Jährige gern. „Daher kommt auch der Name Fischerins Kleid“, erklärt sie. Dass ihr Laden mehr als eine Schneiderei sein sollte, wusste sie von Anfang an. „Ich wollte kein reines Maßschneider-Atelier aufmachen“, sagt Inhaberin Brückner.

Deshalb setzt sie auf eine Mischung aus eingekaufter Ware, Selbstgemachtem und Kultur-Aktionen. Dazu zählt auch die Ausstellung von Jascha Pansch. „Er hat Ulmer fotografiert, die vegan leben.“ Diese Lebenseinstellung passe sehr gut zu ihrem Laden.

„Veganer leben bewusst und machen sich Gedanken darüber, was sie essen“, erklärt Brückner. Sie mache sich ähnliche Gedanken über die Herkunft ihrer Kleidung. Bewusstsein und Nachhaltigkeit verfolgt sie auch mit ihrem Änderungsangebot. Kunden können mit Kleidungsstücken zu ihr kommen, die sie ändern oder reparieren lassen wollen. „Es ist egal, ob sie die Sachen bei mir oder sonst wo gekauft haben“, erklärt Brückner. Ihr geht es darum, das Kleidungsstück möglichst lange zu erhalten. „Aber ich bin auch ehrlich, und sage, wenn sich der Aufwand nicht mehr lohnt.“

Info


Am Samstag, 26. November, läuft der Aktionstag „Im Fischerviertel wird’s kuschelig“. Bei Fischerins Kleid können Besucher dann Weihnachtskarten aus Stoff basteln.