Es ist nur ein vergleichsweise kleiner Teil des ehemaligen Moco-Areals an der Blaubeurer Straße, doch er macht der Ulmer Stadtverwaltung die größten Sorgen. Der Boden unter dem früheren Grundstück der Firma Braun, einem längst insolventen Hersteller von Dachpappe, ist massiv mit Schadstoffen verseucht, darunter Teeröle.

Nach der bisherigen Planung ging die Stadt von Sanierungs- und Entsorgungskosten von 24 Millionen Euro aus. Jetzt liegt die Schätzung bei knapp 27 Millionen Euro – und das ist womöglich nicht das Ende.

Das Gelände ist massiv verseucht, die zulässigen Grenzwerte sind zum Teil um das Tausendfache überschritten. Nicht nur der Boden ist belastet, Teerölrückstände lassen sich auch im Grundwasser feststellen. Über den aktuellen Stand berichtete Kristina Schenk, die Leiterin der Bodenschutz- und Altlastenbehörde bei der Stadt Ulm, dem Bauausschuss.

Schadstoffe Boden und Grundwasser sind vor allem mit Teerölen, aromatischen Kohlenwasserstoffen und Mineralölrückständen belastet. Die Konzentrationen auf dem ganzen Braun-Areal seien hoch, im zentralen Bereich sogar „sehr massiv“. Auch das Grundwasser sei stark betroffen. Das erkennen selbst Laien leicht: Das teerölhaltige Grundwasser wird als fast schwarze, stinkende Brühe gefördert.

Aushub Der Boden wird auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern ausgehoben, an den weniger belasteten Rändern bis in vier Metern Tiefe, an den massiv betroffenen Stellen bis in elf Metern.

Entsorgung Derart belastetes Material lässt sich gar nicht leicht loswerden. Ob es auf Spezial-Deponien gelagert oder verbrannt wird, steht noch nicht fest. 

Massive Kostensteigerung

Kosten Auf jeden Fall ist die Entsorgung sehr teuer. Wie teuer genau, wird sich erst nach der Ausschreibung zeigen. Die Kosten gehen schon jetzt im Planungsverfahren steil nach oben. In der ersten Schätzung 2018 lagen sie bei 7,7 Millionen Euro. Eine Marktanfrage Anfang Oktober  ergab laut Schenk dann eine Summe von 8,5 Millionen Euro, und keine vier Wochen später waren die Entsorgungskosten schon auf 9,7 Millionen Euro geklettert. Die Ausschreibung ist für nächstes Jahr geplant. „Wir wissen nicht, wie die Preise dann aussehen.“

Arbeitsschutz Der Aushub ist wegen der Schadstoffe nicht ungefährlich für die Arbeiter. Sie müssen Schutzkleidung tragen. Die Stadt lässt einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan erstellen.

Zeitplan Ende Februar soll die Planung für die Sanierung stehen. Die Arbeiten werden dann ausgeschrieben. Im Frühjahr muss die Kampfmittelbeseitigung ran, und im Herbst soll mit dem Austausch des Bodens begonnen werden.

Haftung Die Stadt hofft, dass das Land Baden-Württemberg 60 Prozent der Kosten übernimmt. „Dafür sind wir dankbar“, sagte Baubürgermeister Tim von Winning. Nur weil das Moco-Areal nachträglich dem Sanierungsgebiet Dichterviertel zugeschlagen wurde, beteiligt sich das Land. Eigentlich wäre die Stadt auf den gesamten Kosten sitzen geblieben. Auf den Verursacher, die Firma Braun, kann sie nicht zurückgreifen, weil es das Unternehmen nicht mehr gibt. Braun hatte das Gelände 1983 an Moco verkauft, bevor 2016 die Stadt das Areal erwarb. Das Ausmaß der Verunreinigung war da noch nicht bekannt.

Verunreinigung auf im Karst


Grundwasser
An den massiv verseuchten Stellen des Braun-Areals wird der Boden elf Meter tief ausgehoben. Bohrungen bis hinunter auf 18 Meter haben ergeben, dass auch im Karst-Grundwasserstock Verunreinigungen vorhanden sind. Dagegen lasse sich nichts machen, sagt Kristina Schenk, die Leiterin der Bodenschutz- und Altlastenbehörde. „Was drin ist, kriegt man nicht raus.“ Teeröle seien aber immobil, sie bleiben also weitgehend an Ort und Stelle. Der Aushub des Bodens verhindert, dass die Verunreinigung im Karst weiter zunimmt.