Klosterhof Mittelalterliches Spektakel in Wiblingen

Wiblingen / Lisa Maria Sporrer 25.05.2017

Wenn der Habicht sein Opfer erst einmal gegriffen hat, lässt er nicht mehr los, so lange er noch den Puls spürt. „Man kriegt den Griff nicht auf. Denn Habichte sind nicht nur schnell, sondern auch stark“, erklärt Thomas von Strzemieczny. „Wenn ich ihn jetzt hochschicken würde, würde er sich die Störche holen“, sagt der Falkner und zeigt in den blauen Himmel über Wiblingen, wo gerade Bernhard und Bianca mit ihrem Nachwuchs einige Runden drehen.

Zum ersten Mal gibt es im Klosterhof bei der neunten Auflage des Mittelaltermarkts einen Falkner, der den Besuchern nicht nur Wissenswertes über die Sibirische Uhu-Dame Ronja und den mongolischen Raubadler Drago erzählt. Sondern er lässt den amerikanischen Habicht Paula auch auf den Schultern Interessierter Platz nehmen.

„Es gibt einige Neuerungen in diesem Jahr“, berichtet die Geschäftsführerin der Südevent UG aus Ulm, Evelyn Leiendecker. So hat sie nach etlichen Jahren erstmals mit der internationalen Reit- und Stuntshowgruppe „Arturius“ einen neuen Ausrichter für das Ritterturnier engagiert, der reichlich Tempo auf den sandigen Turnierplatz bringt. Es gibt die klassische Geschichte um Gut und Böse, angereichert mit gladiatorenähnlichen Kämpfen und einem vielfältigen Programm mit Elementen wie Wurfsternen und ritterlicher Ästhetik.

Auch sonst bietet der Markt in diesem Jahr einige Neuheiten wie eine Kinderschiffsschaukel. Zudem gibt es Bewährtes: Zum sechsten Mal steht etwa Carsten Lyhs mit seiner Essensbude „Asinarius – tierisches Mittelalter“ auf dem Klosterhof und verkaufte „Fleischfetzen“, Spieße und Wildschweinwurst. „Im Mittel­alter hatten die Menschen noch einen ganz anderen Bezug zum Essen“, sagt der Inhaber, der vom südlichsten Zipfel Brandenburgs angereist ist. „Auf unserem Hof leben wir noch richtig mit unseren Tieren zusammen“, erzählt er und schätzt am Wiblinger Mittelaltermarkt besonders das hübsche Ambiente.

Faszination Mittelalter

„Die Faszination Mittelalter lässt nicht nach“, findet Stella Wagner, die mit ihrer Wiblinger Tanzgruppe „Filia Draconis“ ihr Zelt inmitten der Stände von Schmiede, Gerberinnen und Schiffsschaukeln aufgeschlagen hat. „Wir erheben mit unseren Kostümen keinen Anspruch auf Authentizität“, sagt sie. Schließlich hätte das orientalische Fantasy-Mittelalter, das die Tanzgruppe verkörpert, nicht wirklich seinen festen Platz in der Geschichte.

Allerdings seien orientalische Importe wie Algebra, Gewürze und Tanz damals nichts Ungewöhnliches gewesen, fügt ihre Tanzkollegin Julia Lange hinzu. „Wiblingen hat von allen Mittelaltermärkten, die wir bisher besucht haben, nicht nur die tollste Kulisse, sondern auch die größte Vielfalt“, schwärmt sie. Denn nicht nur im Lustgarten, in dem eine Zeitreise als Lagerleben durch die verschiedenen Epochen des Mittelalters führt, wird ihrer Ansicht nach Geschichte erlebbar, auch die Aussteller setzen mit ihrem Angebot der Zeitspanne keine Grenzen.

„Einige meiner Spiele sind schon lange vor Christus erstmals erwähnt“, meint Steffen Schmidt, der zum zweiten Mal in Wiblingen historische Brettspiele feilbietet: byzantinisches Schach, Hnefatafl und römische Mühle. Zusammen mit seiner Frau hat er nicht nur in historischen Dokumenten recherchiert, um den Ursprung der Spiele zu ermitteln, sondern er hat die Spielbretter auch eingebrannt auf Rinderleder, als Beutelchen zum Mitnehmen. Mittelalterliche Spiele to go sozusagen.

Spektakel dauert noch drei Tage lang

Programm So kommen noch bis zum kommenden Sonntag alle Mittelalterliebhaber auf ihre Kosten: Neben Spielen, Tanz, Mitmach-Angeboten und Ritterzubehör für Kinder findet täglich eine Feuershow statt. Heute öffnet der Markt rund ums Wiblinger Kloster von 17 bis 23.30. Am Samstag und Sonntag öffnet er von 10 bis 23.30 Uhr.

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