Schwörgottesdienst Mitgefühl löst Probleme, Populismus schafft nur neue

Ulm / Verena Schühly 23.07.2018

„Für viele ist das ein fest verankerter Teil des Schwörwochenendes: Es ist die Besinnung auf unser gemeinsames Fundament“, sagte der katholische Dekan Ulrich Kloos zu Beginn des ökumenischen Schwörgottesdiensts.  Rund 400 Menschen füllten die Bänke der Wengenkirche. Die Predigt hielt der evangelische Kollege Ernst-Wilhelm Gohl. Er schlug darin den Bogen von der biblischen Geschichte mit den fünf Broten und den zwei Fischen, die 5000 Menschen satt machten, zum aktuellen Umgang mit Flüchtlingen und rief zu Mitgefühl, Kompromissbereitschaft und engagiertem Handeln auf.

„Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg“, mit diesen Worten begann Gohl. Denn friedlich gehe es im „derzeit oft gering geachteten Friedensprojekt Europa“ nicht zu, das zeige die Stimmung in aktuellen politischen Debatten. „Die Welt ist nicht nur Schwarz und Weiß. Wer so argumentiert, verschärft den Ton und macht Kompromisse unmöglich“, führte der evangelische Theologe aus. „Populismus schafft nur neue Probleme, siehe Amerika.“

Politik sei aber das Bohren dicker Bretter, das letztlich zur Lösung von Problemen führe. Sie halte es aus, dass es unterschiedliche Positionen gibt. „Gerade die Tradition des Schwörmontags zeigt, dass die mittelalterliche Gesellschaft fähig war zum Pluralismus.“

Dann zog Gohl eine Parallele zu den Herausforderung des Umgangs mit geflüchteten Menschen. Für ihn ist es „der erste Schritt in die Barbarei“, wenn jemand Schiffbrüchige nicht aus dem Meer rettet um ihrer selbst Willen, sondern wenn es dabei um die Frage der Verteidigung von Grenzen geht. Er prangerte die Haltung von Politikern an, die „stolz Anzeigen gegen Kapitäne zeigen, die Flüchtlinge gerettet haben. Heute kostet es nichts mehr, seine Meinung zu sagen.

Nicht nur auf Ressourcen blicken

„Eine Gesellschaft ohne Mitgefühl führt die Welt ins Verderben. Das zeigt die Geschichte“, sagte der evangelische Dekan weiter und kam auf den Bibeltext zurück. Die Jünger hätten sich mit der Situation überfordert gefühlt: Viele Menschen waren zu versorgen – und sie hatten fünf Brote und zwei Fische. „Über dem  Zählen und dem bangen Blick auf die Ressourcen hatten die Jünger Angst, dass das Wenige nicht reicht. Aber Jesus lässt den beschränkten Blick nicht gelten, er lässt sie das Vorhandene austeilen – und das Wunder geschieht: Alle werden satt.“

Ernst-Wilhelm Gohl rief zu Zuversicht auf: „Gott lässt einer zynischen und rüpelhaften Realität nicht das letzte Wort.  Statt Wut und Spaltung können wir Christen durch Gott Mut und Hoffnung erfahren.“ Darin sieht er ein Potenzial für die Ulmer Stadtgesellschaft.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Reger Vokal Ensemble unter Leitung von Andreas Weil und von Friedemann Johannes Wieland an der Orgel.

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