Verkehr Mitfahr-App fürs Donautal

Auf dem Smartphone können die Mitarbeiter von Seeberger, Husqvarna und Uzin Utz ihre Fahrtroute einstellen und freie Plätze melden oder eine Mitfahrgelegenheit suchen.
Auf dem Smartphone können die Mitarbeiter von Seeberger, Husqvarna und Uzin Utz ihre Fahrtroute einstellen und freie Plätze melden oder eine Mitfahrgelegenheit suchen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Julia Kling 14.06.2018
Seeberger, Husqvarna und Uzin Utz haben eine Mitfahr-Plattform für ihre Mitarbeiter eingerichtet.

Verkehrstechnisch muss sich etwas im Donautal ändern, das ist den dort ansässigen Firmen schon lange klar. „Bereits vor drei Jahren haben wir uns mit Vertretern der Stadt über die Zufahrt zum Donautal unterhalten“, berichtet Husqvarna-Geschäftsführer Joachim Müller. Die Situation sei vor allem zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag sehr angespannt. Getan habe sich zunächst aber nichts. „Vor einem Jahr haben wir erfahren, dass Seeberger dabei ist, eine Mitfahr-App für seine Mitarbeiter einzuführen.“ „Das Donautal wächst zwar nicht in der Fläche, dafür aber im Bestand“, sagt Verena Schädler, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei Seeberger. „Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir die An- und Abfahrt für unsere Mitarbeiter stressfreier gestalten können.“

Eine Mitarbeiterbefragung habe ergeben, dass es ein Interesse an Fahrgemeinschaften innerhalb des Betriebs gebe. „Es war schnell klar, dass wir eine App eines professionellen Entwicklers nehmen werden“, berichtet Schädler. Letztlich entschieden sie sich für eine Lösung von SAP. Für ein einzelnes Unternehmen sei solch eine App jedoch nicht geeignet. „Das Volumen ist zu gering.“

Über Alternativen nachdenken

Mit Husqvarna und später Uzin Utz gab es interessierte Partner in der direkten Nachbarschaft. Die Stadt habe auch Interesse bekundet, „das wollten wir aber nicht. Wir wollten signalisieren, dass wir Unternehmen hier nicht nur rumsitzen und warten, sonder uns über Alternativen Gedanken machen“, sagt Müller. „Auch wenn es zunächst nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.“

Nach einem guten halben Jahr haben sich bei Husqvarna rund 200 Mitarbeiter bei „Twogo“ registriert. „Jeden Tag werden so über die App fünf bis sechs Fahrgemeinschaften vermittelt“, berichtet Gesamtprojektleiterin Jeanette Prevot. Seeberger zählt rund 100 registrierte Mitarbeiter.

„Bislang haben wir zwar viele Teilnehmer, aber wenige Fahrten“, sagt Schädler. Ähnlich ist auch die Lage bei Uzin Utz.

Steffen von der Heyden ist einer der Nutzer bei Husqvarna. Durch die App hat er inzwischen eine dauerhafte Mitfahrgelegenheit gefunden. „Ich bin mit zwei, drei Leuten gefahren, dann hat es sich mit einem Kollegen eingespielt.“ Inzwischen holt ihn der Kollege täglich morgens ab. Auch Bernhard Reh ist einer der Twogo-Nutzer. „Unsere Fahrgemeinschaft gibt es aber schon seit 15 Jahren.“ Der „Alb-Express“, wie die sechsköpfige Gruppe von den Kollegen genannt wird, fährt morgens von Westerheim über Laichingen und Asch ins Donautal und abends wieder zurück. Damit das funktioniert, müsse natürlich jeder ein Stück der eigenen Unabhängigkeit aufgeben.

Die App nutzt Reh auch, um in den Genuss der Vorteile zu kommen, die Husqvarna den Nutzern einräumt. „Wir haben fünf Twogo-Parkplätze eingerichtet“, erklärt Prevot. Das sei hinsichtlich der herrschenden Parkplatznot ein gewichtiges Argument. Zudem gebe es etwa vor Weihnachten kleine Geschenke oder Verlosungen, um die Mitarbeiter immer wieder auf das Angebot aufmerksam zu machen. „Das ist wichtig“, sagt Prevot mit Blick auf die Teilnehmerzahlen. „Man braucht einen langen Atem.“ In anderen Betrieben sei das Projekt häufig bereits nach einem Vierteljahr tot.

„Es braucht einen gewissen Leidensdruck, bis die Autofahrer ihre Komfort-Zone verlassen“, weiß Prevot. „Über die Zeit werden wir aber einen deutlichen Zuwachs verzeichnen“, ist Müller überzeugt. Es sei auch eine Frage der inneren Disziplin im Unternehmen. So sollen künftig Poolfahrzeuge und Dienstfahrten in die App eingestellt werden. Das Ziel der drei Betriebe: „Weniger Autos im Donautal“, sagt Müller.

Wie sehr das Unternehmen von der Mitfahr-App überzeugt ist, macht Müller deutlich. „Wenn etwas schiefgeht, übernehmen im Zweifel wir die Kosten für ein Taxi.“ Inzwischen haben bereits andere Unternehmen Interesse an einer Teilnahme bekundet. Und auch die Stadt Ulm sei interessiert. „Am 28. Juni stellen wir das Konzept im Verkehrsausschuss vor.“

Finanzierung der App

Vorgehen Die App lädt sich jeder interessierte Mitarbeiter auf sein Smartphone. Die für den Zugang notwendige Lizenz zahlt der jeweilige Arbeitgeber – zehn Euro pro Mitarbeiter und Jahr. Die Bezahlung der Fahrten regeln die Mitarbeiter unter sich.

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