Der erste Freitag im Februar ist an der Uni für den Dies academicus (lateinisch: akademischer Tag) reserviert. Im großen Hörsaal der medizinischen Fakultät halten neue Professoren Antrittsvorlesungen, Wissenschaftler, die sich um die Uni verdient gemacht haben, werden geehrt, und der Präsident blickt bilanzierend aufs vorangegangene Jahr zurück.

Für Prof. Michael Weber war es gestern der erste "Dies" als Präsident, er ist so frisch im Amt, dass er offenbar noch die Tage zählt. "Heute ist mein 128., für einen Informatiker eine besondere Zahl, weil zwei hoch sieben", scherzte er - um dann zu gewichtigeren Zahlen überzuleiten. Mit 10 700 Studenten, darunter 3000 Erstsemester, habe man einen neuen Höchststand erreicht, "vielleicht ein Beweis, dass eine familiäre Uni wie unsere zunehmend attraktiv ist". Weber verwies auf die jüngsten Forschungserfolge in Medizin und Naturwissenschaften, darunter auch das erst vor wenigen Wochen auf den Weg gebrachte "Tech Center E-Drive", das sich mit automatisiertem Fahren beschäftigt und vom Daimler-Konzern und dem Land mit 7,5 Millionen Euro gefördert wird (wir berichteten). Im nächsten Jahr wird die Uni 50. Gefeiert werden soll dies das ganze Jahr über mit zahlreichen Veranstaltungen nicht nur auf dem Campus, sondern auch mitten in der Stadt, kündigte der Präsident an.

Im Mittelpunkt des Festakts standen sieben Preisverleihungen. Der Kooperationspreis Wissenschaft-Wirtschaft wurde zweimal vergeben: Zum einen an Prof. Albrecht Rothermel, der mit einem Reutlinger Unternehmen einen Netzhaut-Chip entwickelt hat, der Blinden zumindest ein rudimentäres Sehen ermöglicht. Den zweiten Kooperationspreis teilen sich die Aids-Forscher Prof. Frank Kirchhoff und Prof. Jan Münch. In Kooperation mit einem Biotech-Unternehmen suchen sie nach körpereigenen Peptiden, die das HI-Virus hemmen.

Den Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung erhielt der Mediziner Dr. Florian Kuchenbauer. Er untersucht den Weg von der gesunden Blutzelle zur Leukämiezelle, Ziel sind neue therapeutische Ansätze für die häufigste akute Leukämie bei Erwachsenen. Mit dem Lehrpreis der Uni Ulm wurde Prof. An Chen, Leiterin des Instituts für Versicherungswissenschaften, ausgezeichnet. Die gebürtige Chinesin hat ein Austauschprogramm mit der Fudan-Universität in Shanghai etabliert.

Als "Vorbild für junge Wissenschaftlerinnen" wurde Prof. Kerstin Leopold vom Institut für Analytische und Bioanalytische Chemie bezeichnet. Leopold engagiert sich in Forschung, Lehre und Gremienarbeit und bringt dies in Einklang mit ihren Familienpflichten. Dafür erhielt sie den Mileva Einstein-Maric-Preis.

Der Gleichstellungspreis der Uni ging dafür an zwei Männer: Die Physik-Professoren Wolfgang Schleich und Fedor Jelezko hatten in einem ihrer Forschungsbereiche gezielt eine Juniorprofessur für den weiblichen Forschernachwuchs eingerichtet - inzwischen wurde Juniorprofessorin Ana Predojevic berufen.

Zu guter Letzt erhielten Barbara Körner und Simon Lüke den Universitätssonderpreis für herausragendes studentisches Engagement. Sie hatten sich unter anderem die Wiedereinführung der "Verfassten Studierendenschaft" eingesetzt.