Mit der Verkündung „Uns ist zum Heil ein Kind geboren“ im ersten von drei Teilen passt Händels Oratorium „Messiah“ (Messias) perfekt in den Weihnachtsmonat. So erreichte der Oratorienchor Ulm unter Thomas Kammel in der gut gefüllten Pauluskirche ein dankbares Publikum.

Außer prächtigen Chorsätzen bietet das populäre Werk reiche Parts von vier Gesangssolisten sowie einige klangvolle Orchesterstücke, als Sinfony oder Sinfonia bezeichnet und trefflich ausgeführt von dem Augsburger Ensemble „La Banda“. Für den englischen Text in altertümlicher Schreibweise fand der Hörer im Programmheft auch eine deutsche Übersetzung.

Doch der 1742 in Dublin uraufgeführte „Messiah“ des seit den 1710er Jahren in London lebenden Barockmeisters ist mehr als nur eine feierliche Weihnachtsmusik: Im langen ersten Teil geht es um die alttestamentarische Verheißung, deren Erfüllung mit der Geburt des Heilands ihren Anfang nimmt. Der zweite Teil lässt das Publikum die Passion und die Auferstehung Jesu erleben und endet in dem berühmten „Hallelujah“ des Chores. Der dritte Teil bringt im Gestus frommer Einkehr der Christenheit die Erlösung und schließt mit einem jubilierenden Amen von Chor und Orchester.

Machtvoll begann der von Kammel konzentriert und sicher geführte Chor die Passionsszene im mittleren Teil mit dem stark betonten Wort „Surely“ (deutsch: „Wahrlich, er trug unsere Qual“). Es entwickelte sich die zentrale Passage des Ensembles mit komplexer Polyphonie der Gruppen von Frauen und Männern. Auch in den vom Dirigenten gewählten zügigen Tempi kamen die Einsätze exakt.

Zwei Einspringer wurden aufgeboten für erkrankte Solisten: Der erst am Mittag angereisten Stuttgarter Altistin Anne Greiling gelang, gleich stark gefordert, eine schlüssige Wiedergabe. Nicht nur in den Koloraturen jeder „Air“, sondern auch die Rezitative sang sie mit lyrischem Ausdruck.

Der Schweizer Christian Hilz als fast tenoral timbrierter Bariton erschloss sich kraft Erfahrung auch die Tiefen mit sicherer Technik bei nicht maximaler Sprachartikulation. Die jungen Solisten der Sopran- und Tenorpartien sind nachhaltig zu loben: Sopranistin Yuna-Maria Schmidt gefiel mit leuchtender Stimme, virtuos bei Melismen, in den Höhen fast engelhaft. Tenor Benjamin Glaubitz sang mit absoluter Präsenz sowie sicherer Dynamik und bot im zweiten Teil wirkungsvoll dramatische Momente.