Lesung Mit einem einzigen Kleid rund um die Welt

Verlegerin Britta Jürgs und Florian L. Arnold.
Verlegerin Britta Jürgs und Florian L. Arnold. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Christoph Alexander Schmidberger 28.07.2018

Der Kinofilm „Die Frau, die vorausgeht“ erzählt die Geschichte der Künstlerin und Frauenrechtlerin Caroline Weldon, die 1889 ins Territorium der Sioux gereist war, um Häuptling Sitting Bull zu malen. Damals ein mutiger Schritt für eine Frau, aber kein Einzelfall. Das konnte man von der Verlegerin Britta Jürgs lernen. Sie war Gast der Reihe „Literatur unter Bäumen“, die nun  erstmals Station auf dem Neu-Ulmer Schwal gemacht hat. Jürgs präsentierte eine Auswahl aus dem Prgramm ihres 1997 gegründeten unabhängigen AvivA-Verlags, der sich auf vergessene Frauenliteratur spezialisiert hat.

1887 schlich sich Nellie Bly incognito in eine New Yorker Nervenheilanstalt für Frauen ein und veröffentlichte das Ergebnis ihrer Recherchen als „Zehn Tage im Irrenhaus“ – eine Pionierarbeit des investigativen Journalismus. Berühmt wurde sie jedoch zwei Jahre später, als ihr als erster Frau der Geschichte eine Weltumrundung auf den Spuren von Jules Vernes gelang. Zwischendurch traf sie in Amiens den Autor höchstpersönlich, bevor sie dann nur mit einem einzigen Kleid und einer vollgestopften Handtasche den fiktiven 80-Tage-Rekord des Phileas Fogg deutlich unterbot.

Als „Around the World in 72 Days. Die schnellste Frau des 19. Jahrhunderts“ liegt ihr Reisebericht im AvivA-Verlag als deutschsprachige Erstausgabe vor. Jürgs trug daraus mit angenehmer Stimme vor, ließ aber auch die sprachbegeisterte Reiseschriftstellerin Alma Karlin, die Bildhauerin und Dramatikerin Christa Winsloe und die Schriftstellerin und Schauspielerin Lili Grün zu Wort kommen. Sie alle zeichnete Wagemut und Tatkraft aus. Zwei Eigenschaften, die auch für das Leiten eines Kleinverlags nötig sind, wie Jürgs im Gespräch mit Gastgeber Florian L. Arnold erläuterte.

Zur Auflockerung spielte Maria Schmidt-Deiss ein paar Lieder auf der akustischen Gitarre. Sie war kurzfristig für den erkrankten Musiker Benjamin Reich eingesprungen. Die Textzeile „Sonne in den Bäumen“ aus Philipp Poisels „Halt mich“ hätte an diesem lauen, unterhaltsamen und aufschlussreichen Sommerabend, an dem das warme Licht die Bäume des Schwals in einen verwunschenen Hain verwandelt hatte, nicht treffender sein können.

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