Ulm Mit dem Fahrrad zurück nach Ulm

Günther Stadelmaier ist mit 90 immer noch gut zu Fuß. Er hat heute Geburtstag. Foto: Lisa-Maria Sporrer
Günther Stadelmaier ist mit 90 immer noch gut zu Fuß. Er hat heute Geburtstag. Foto: Lisa-Maria Sporrer
LISA-MARIA SPORRER 24.06.2013
Gut zu Fuß ist Günther Stadelmaier, der heute 90 wird, noch immer. Einen wichtigen Weg hat er allerdings auf dem Fahrrad zurückgelegt.

Sein Weg nach Ulm führte 1945 über die Donaubrücke. Dass er dort wohne, wie er dem amerikanischen Wachposten versicherte, war nur zum Teil richtig. Eigentlich hatte der Krieg ihn 1939 als Schreiber über Böhmenkirch nach Polen geführt, dann wegen einer Kriegsverletzung 1943 als Funker nach Cottbus und später nach Geislingen. Zurück nach Ulm kam er auf einem Rad, sagt Günther Stadelmaier, der heute seinen 90. Geburtstag feiert. Wo er dann vor jenem Wachposten an der Donaubrücke stand.

Geboren und aufgewachsen ist Stadelmaier in der Oststadt. Den Kindergarten in Spuckweite des Elternhauses durfte er nicht besuchen, weil er erwischt wurde, als er die Entfernung im wörtlichen Sinne maß. Dafür habe er in der Schule in der Friedrichsau oft für den Lehrer den Takt beim Geigenspiel geschlagen. "Das durften nur jene, die besonders brav waren."

Die ersten Jahre nach dem Krieg waren nicht einfach. Stadelmaier war einer, der nicht von der Entnazifizierung betroffen ein Jahr auf die Generalamnestie hat warten müssen, um wieder im öffentlichen Dienst arbeiten zu dürfen. Er machte in Stuttgart an der heutigen Fachhochschule für Verwaltung seinen Abschluss. Der gute Draht zu den Stadtwerken Ulm verschaffte ihm dann die Stelle des Stadtinspektors. "Angefangen habe ich damit, die Reichsmarkbilanz in D-Mark umzurechnen und bin so 34 Jahre lang die Treppe der Beamten hinaufgestiegen." 34 Jahre, in denen er ohne Führerschein stets zu Fuß zur Arbeit ging. "Hochgerechnet sind das 60 000 Kilometer. . .", sagt Stadelmaier, der manchmal einfach verschwindet und nach Blaubeuren wandert.

Seine Frau ist vor neun Jahren gestorben. Aber die fünf Kinder werden ihm heute wohl mit elf Enkelkindern und fünf Urenkeln etwas geben, was immer auch von ihm kommt: selbst gemachte Gaben.