Am Tunnelportal in Dornstadt betonieren und schweißen die Arbeiter, ein paar Kilometer weiter westlich wird der Untergrund für das spätere Gleisbett planiert. Entlang der Bahn-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm geht es in den Endspurt. In knapp sechs Wochen ist es so weit: Der Rohbau des Abschnitts zwischen Ulmer Hauptbahnhof und Hohenstadt soll dann fertig sein. Grund genug für die Bahn, eine Busfahrt vom künftigen Merklinger Bahnhof bis zum Tunnelportal am Kienlesberg an der Einfahrt zum Ulmer Hauptbahnhof zu machen. Teils entlang, teils bereits auf der künftigen Bahntrasse. „Am 3. Dezember übergeben wir an die Kollegen, die dann den eisenbahntechnischen Ausbau machen werden“, erklärte gestern Stefan Kielbassa, Projektleiter der Bauabschnitte Albhochfläche, Albabstieg und Ulmer Hauptbahnhof.

Video Zugausbaustrecke zwischen Merklingen und Ulm

ICE braucht sieben Minuten

In den vergangenen sieben Jahren entstanden dort in großen Teilen parallel zum Ausbau der Autobahn auf 27 Kilometern fünf Tunnel, 20 Brücken und 15 Kilometer freie Strecke. „Für den Abschnitt braucht ein ICE später gerade einmal sieben Minuten, wenn er mit 250 Stundenkilometer fährt“, sagte Kielbassa.

Zum eisenbahntechnischen Ausbau zählen neben der Masten für die Oberleitungen die Leitungen an sich, Gleise, Signalanlagen. „Der erste Mast wird am 12. Dezember gestellt“, erklärte Kielbassa. Bereits am 4. Dezember rollen die ersten Gleise von Ulm aus in Richtung Albhochfläche. „Auf Straßenrollern werden die 120 Meter langen Gleise durch den Albabstiegstunnel hoch bis nach Merklingen gefahren und dann nach und nach auf der 27 Kilometer langen Strecke verlegt.“

Ulm/Wendlingen

„Die komplizierteste Baustelle“

Diese Aufgaben muss jedoch nicht mehr Kielbassa verantworten. „Ich übergebe die Strecke vom Albabstiegstunnel bis nach Hohenstadt pünktlich Anfang Dezember.“ Fertig ist er dann jedoch noch nicht an der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. „Der Ulmer und der Merklinger Bahnhof sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Kielbassa. Das sei jedoch langfristig so geplant worden. Während der Rohbau des Merklinger Bahnhofs Mitte 2019 übergeben werden soll, dauern die Arbeiten im Ulmer Hauptbahnhof noch über ein Jahr. „Das ist die komplizierteste Baustelle des ganzen Bereichs“, sagte Kielbassa. „Wir bauen hier unterm rollenden Rad.“ Anders als auf der Albhochfläche müssten hier alle Arbeitsschritte an den laufenden Bahnbetrieb ausgerichtet werden: „Das Stellwerk diktiert den Ablauf an der Baustelle am Bahnhof.“

In den kommenden zwei Wochen beeinträchtigen die Arbeiten erheblich die Erreichbarkeit  Ulms – der Hauptbahnhof wird vom Fernverkehr abgehängt  (wir berichteten). „Das lässt sich leider nicht anders bewältigen. Wir müssen mit der Neubaustrecke unter den bestehenden Gleisen der Filstalbahn durch.“ Dafür müssen die alten Gleise vor dem Tunnelportal umgelegt werden, dann werde dort der Trog der Neubaustrecke fertiggestellt und die alten Gleise später auf Brücken über den Trog geleitet.  „Ende 2019 wird die Strecke zurückverlegt“, erklärte Kielbassa. Dann werde die Strecke wieder gesperrt, jedoch nicht so lange.

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Eine von drei Phasen abgeschlossen


Fahrplan Bis die ersten Züge von Ulm aus auf der Neubaustrecke Richtung Wendlingen unterwegs sind, vergehen noch mindestens drei Jahre. Die Bahnstrecke soll somit zwei Jahre vor der geplanten Fertigstellung von Stuttgart 21 in Betrieb gehen. Wie viele Züge anfangs auf der Strecke verkehren wird gerade noch diskutiert. Nach dem Rohbau der Strecke folgt ab Dezember die eisenbahntechnische Ausstattung, etwa eineinhalb Jahre später startet die Phase der Inbetriebnahme, die ein Jahr dauern wird.