Ulm Mit Bravour: Das Uni-Orchester und E-Gitarrist Thomas Maos

Ulm / CHRISTA KANAND 15.07.2016
Sattelfest und in Hochform: Das Uni-Orchester meisterte neben Holst und Dvorak auch eine Avantgarde-Uraufführung mit dem E-Gitarristen Thomas Maos.

Sie lieben es, Solisten zu präsentieren und Grenzen aufzubrechen. Diesmal gingen die Musiker des Universitätsorchesters Ulm und  Dirigent Burkhard Wolf  beim Semesterabschlusskonzert einen Schritt weiter: Sie brachten Christian Pfeiffers Konzert für E-Gitarre und Orchester, „flowers, messages“, mit dem E-Gitarristen Thomas Maos zur Uraufführung. Eine Herausforderung für das Orchester,  hartes Brot für manche der 500 Zuhörer. Doch die Jugend im Kornhaus applaudierte heftig – auch dem anwesenden 32-jährigen Komponisten.

Mut zur experimentellen zeitgenössischen Avantgarde – wer sonst, wenn nicht junge Musiker sind dafür offen? Obwohl: In den Reihen des Uni-Orchesters sitzen auch ältere Semester, und auch die zeigten keine  Berührungsängste mit dem 35-minütigen Werk: brüsk bis zur Schmerzgrenze, befremdlich, spannend. Nicht gemäß Programmheft zwischen Holst und Dvorak gebettet, sondern gleich zum Auftakt ging’s mit Bravour zu neuen Ufern. Ohne wiedererkennbare Melodien und Rhythmen kennen Kreativität und Zweckentfremdung der Instrumente als Resonanzkörper keine Grenzen. Experimentalgitarrist Maos arbeitete mit Effektgeräten, beförderte mit wimmernden Geigen, krachenden Celli, schrillen Bläsern und improvisierenden Schlagzeug-Solisten mal psychedelische Tiefen, mal in ohrenbetäubend lärmende Passagen. Ein Sound-Track für einen Horror-Film?

Dass es  das „One-hit-wonder“ auch in der Klassik gibt, beweist Gustav Holst. Der Brite ist nur für seine  im Ersten Weltkrieg geschriebene  Orchester-Suite „Die Planeten“ bekannt. Daraus wurde der „Mars“ mit Marschrhythmen, martialischem  Blech und Trommel dem glücksbringenden „Jupiter“-Satz voller Frohsinn auf der Reise zu den Sternen gegenübergestellt.

In der wenig gespielten vierten Sinfonie des damals 33-jährigen Antonìn Dvorak ließ Dirigent Burkhard Wolf das böhmische Nationalkolorit ohne Patina auskosten.  Vital und spielfreudig übertraf das Orchester sich selbst mit versierten Solisten, darunter einem erstklassigen Hornisten. Wagnerisch ertönten Blechbläser im zweiten Variationssatz. Nach Geigenkantilenen, ausgelassenem Scherzo und bombastischem Finalsatz dankten Blumen und Riesenbeifall.

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