Irgendwie mutete es wie eine kleine Zeitreise an. Was Joe Gallardo und das Jazz-Zone-Trio im altehrwürdigen Sauschdall auf die Bühne stellten, hätte dort auch vor 30 Jahren so stattfinden können, als Joe Gallardo, Peter Gruber und Peter Bockius noch jung waren. Tizian Jost, das Küken am Piano sowieso, aber auch der hat seine Eierschalen schon vor einer ganzen Weile abgelegt.

Ein sehr erfahrenes und mit allen Wassern gewaschenes Quartett, das sich da über das nicht minder gut abgehangene Material hermachte. Von "Blue Bossa" bis "Sweet Georgia Brown". Gassenhauer aus dem Real Book, tausendmal gehört und tausendmal gespielt.

Man könnte sich nun fragen: Muss es wirklich zum tausend und einten Mal sein? Denn was an diesem Abend nicht stattfand, waren Überraschungen. Nichts, was einem Schauer über den Rücken jagen würde, alles wie erwartet, aber: in erstklassiger Qualität. Und vor Routine geradezu berstend. Wie Tizian Jost "I'm Old Fashioned" in seine Bestandteile zerlegte und umkreiste und auflöste und wieder zusammensetzte: Den kann man aus dem Tiefschlaf wecken und er spielt die Nummer noch mit geschlossenen Augen. Nicht minder traumwandlerisch Peter Bockius. Obwohl ihm sein Bass-Sound im ersten Set Kopfschmerzen bereitet haben dürfte, war dies seinem Spiel in keiner Sekunde anzumerken. Das floss mit derselben geradezu organischen Selbstverständlichkeit, mit der Peter Gruber sanft dampfende Bossa-Grooves aus dem Ärmel schüttelte.

Überhaupt: Diese Band kann Bossa Nova. Joe Gallardos Latin-Affinität ist bekannt und kann problemlos aus seiner musikalischen Vita abgeleitet werden. Und: Die Posaune ist die absolut passende Blechstimme für diese Musik. Joe Gallardo spielt die Bossas, wie sie Joao Gilberto singt: sehr rhythmisch, sehr entspannt, sehr unterhaltsam. So war der ganze Abend. Ein Abend, um ein entspanntes Tänzchen zu wagen und sich an die alten Zeiten zu erinnern.