Ulm Mit 170 in die Nebelwand: Prozessauftakt wegen Neujahrs-Unfall

Ulm / HANS-ULI MAYER 22.10.2013
Drei Tote, 13 Verletzte, 12 demolierte Autos - seit Dienstag wird der schwere Unfall auf der B 30 in der Neujahrsnacht verhandelt. Hauptangeklagter ist ein 46-Jähriger, der mit Tempo 170 in eine Nebelwand gerast ist.

„Auf einen Schlag war alles ganz hell. Das war wie eine weiße Masse, eine Wand, wie eine Art Rauchwolke. Die Sicht war null. Wir sind da reingefahren – und rums.“ Nur mit großer Mühe konnte der Angeklagte die Sekunden schildern, die dem schrecklichen Aufprall in der Neujahrsnacht vorausgegangen waren, bei dem auf der B 30 bei Gögglingen drei Menschen ums Leben gekommen sind.

Angeklagt ist ein 46-jähriger Mann, der etwa mit Tempo 170 in die Nebelwand gefahren ist – auf dem Beifahrersitz seine Ehefrau, auf dem Rücksitz die Drillinge im Alter von 9 Jahren. „Wir hatten einen schönen Silvesterabend bei Freunden, schauten noch das Feuerwerk an, legten den Kindern im Auto ein Hörspiel ein und sind ruhig heimgefahren. Und dann endet alles in dieser Katastrophe.“

Seit Dienstag steht der Geschäftsmann vor dem Schöffengericht Ulm, wo er sich wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen verantworten muss. Mitangeklagt ist ein 31-Jähriger, der ebenfalls mit einer PS-starken Limousine in den Unfall gefahren ist, aber nur wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt ist. Sein Mandant sei immer noch „geschockt und erschüttert“ über die Folgen des schrecklichen Unfalls, sagte der Verteidiger des Hauptangeklagten, Dr. Ingo Hoffmann. Er übernehme die Verantwortung und wisse, dass er an der Schuld ein Leben lang tragen werde.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren dem tödlichen Unfall kleinere Auffahrunfälle im Nebel vorausgegangen – insgesamt waren zwölf Fahrzeuge in das Geschehen verwickelt. Ausgangspunkt dürfte ein Auffahrunfall gewesen sein, bei dem ein 20-Jähriger aus Biberach auf den Wagen eines 80-jährigen Paars aus Neu-Ulm aufgefahren war. Die Personen waren aus ihren Autos ausgestiegen und warteten am Straßenrand auf die Polizei. In diese Gruppe muss der 46-Jährige weitgehend ungebremst gefahren sein – für alle drei Personen kam jede Hilfe zu spät. Sie starben noch am Unfallort.

Zunächst wird es Aufgabe des Gerichts sein, die genauen Umstände des Unfalls zu klären. Bei der Bewertung der Schuld der beiden Angeklagten dürfte es vor allem um die Frage nach Wetter und Sichtverhältnisse in jener Nacht gehen und der Frage, welches Tempo angemessen war. Von Zeugen gibt es dazu teilweise unterschiedliche Angaben. Beide Angeklagte und deren Ehefrauen berichten von sternenklarer Nacht, guter Sicht und von einer trockenen Fahrbahn.

Andere Autofahrer, die auch zu diesem Zeitpunkt unterwegs waren, machen aber durchaus andere Angaben, wobei bei allen gleich ist, dass sie von einer dichten Nebelwand überrascht worden sind. Ein Kraftfahrer, der die Strecke oft fährt, sagte, dass er so einen dichten Nebel noch nie gesehen habe. Weitere Zeugen, die ebenfalls in kleinere Unfälle verwickelt waren, wollen schon Kilometer vorher Anzeichen von Nebel gesehen haben oder gaben an, ihre Geschwindigkeit wegen der einsetzenden Sichtbehinderungen gedrosselt zu haben.

Für Dienstag, 5. November, sind weitere Zeugen geladen. Außerdem wird dann auch ein technischer Sachverständiger der Dekra sein Gutachten abgeben, in dem unter anderem steht, dass die beiden Fahrer trotz hoher Geschwindigkeit nur etwa 50 Meter Abstand gehalten haben sollen.