Public Viewing Enttäuschte Fans in Ulm nach deutscher WM-Niederlage

Ulm / Frank König und Hans-Uli Mayer 17.06.2018
Nach dem verlorenen WM-Auftaktspiel fiel die Party der deutschen Fans aus. Die Stimmung war erst hoffnungsvoll, dann enttäuscht.

Am Rathaus hatte die Polizei nach dem verlorenen ersten WM-Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft am Sonntagabend zwar drei Transporter und ein Motorrad aufgeboten. Aber die Beamten mussten lange warten, bis etwas passierte. Dann kamen in der Neuen Mitte doch noch zwei, drei schwere hupende Limousinen mit mexikanischen Fans als Mini-Korso vorbei – ohne Flagge, die man wohl nicht erst besorgt hatte. Auch ein Auto mit polnischen Fahnen war zu sehen. Eine ältere Dame hoffte, dass mit der 0:1-Niederlage des deutschen Teams gegen Mexiko bei der WM in Russland noch nicht alles vorbei sei.

An den Fans hatte es jedenfalls nicht gelegen. Sie waren trotz des gewittrigen Wetters mit ihren schwarz-rot-goldenen Fahnen und Fanshirts zum Public Viewing gekommen. Auf dem Münsterplatz mit der großen Videowand waren es immerhin etwa 2500 Zuschauer. Die Tipps vor Spielbeginn waren eindeutig zugunsten der deutschen Mannschaft, bis zu einem 5:1-Sieg war alles aufgerufen. Am Ende freute sich eine kleine Gruppe mexikanischer Studenten mit ihren Kommilitonen aus Korea und den USA.

Auch das Fischerviertel hat wieder den Charakter einer Fanmeile. Vor dem Q-Muh saßen allein etwa 500 Fans mit Blick auf die TV-Wand auf der Blauinsel, innen waren es nochmal 300. Weitere Anlaufstationen im Quartier: Zill und Wilder Mann.

Überall war klar, dass die Polizei hier keinerlei Risiken eingeht, mit sichtbarer Präsenz von Bereitschaftspolizisten. Alle Lokale hatten Security, auf dem Münsterplatz waren es allein 32 Sicherheitsleute. Als eine der schönste Locations erwies sich der „Barfüßer“ in Neu-Ulm mit mindestens 500 Gästen, wo man den Abhang zur Donau hinunter einen sehr guten Blick auf die Videowand hat. Aber auch im Josi’s im Brückenhaus sorgt der Donaublick für ein angenehmes Ambiente.

Mehr Publikum erwünscht

Aber darauf kommt es bei einem solchen Spiel ja nicht in erster Linie an, und nach dem Ballgeschiebe sogar in der Nachspielzeit machte sich dann bei „Herr Berger“ am Ulmer Marktplatz irgendwie Ratlosigkeit breit.

Für den 21-jährigen Fabian aus Mexiko-City war das Spiel freilich unfassbar. An einen Sieg seiner Mannschaft hatte er zwar von Anfang an geglaubt. Dass es dann auch so gekommen ist, war für ihn dann doch ein wenig überraschend. Überglücklich lag er sich mit seinen Freunden nach dem Abpfiff in den Armen und konnte es kaum fassen. „Das ist der Wahnsinn. Ich bin überglücklich.“

Ganz so euphorisch wollte wiederum Christian Becker nicht sein, der als Chef des Stadthaus-Cafés mit WM-Vip-Lounge auch der Veranstalter des Public Viewings ist. Angesichts des Wetters sei es ganz ordentlich, sagte er zur Halbzeit. Um die Kosten zu decken, braucht er jedoch mehr Zuschauer. Für das Samstagsspiel erhofft er sich dann doch 5000 Fußballfans und mehr, weil die Ausgaben für die Sicherheit enorm hoch seien – bis dahin muss sich allerdings nicht nur das Wetter, sondern auch die deutsche Mannschaft steigern.

Einen geruhsamen Frühabend hatten die Sanitäter. Acht Freiwillige des ASB waren am Stadthaus stationiert und starrten ebenso fassungslos wie alle anderen auf die Leinwand. Immerhin: „Vor vier Jahren war es schon ruhig. Und heute auch wieder“, sagte Sanitätsdienstleister Ralf Weick.

An vielen Stellen in der Stadt hatten sich Menschen vor den Fernsehgeräten versammelt. Vor Henry’s Coffee Shop beispielsweise in der Hirschstraße oder der Vorglühbar in der Pfauengasse oder Capos Größenwahn in der Platzgasse – überall war die Enttäuschung nach dem Spiel groß.

Stimmen vom Münsterplatz

Erwartungen Zuversicht bis zuletzt herrschte auf dem Münsterplatz – wenngleich so mancher Tipp schon zur Halbzeit obsolet war.

Ein 5:1 für Deutschland hatte sich gar die 39-jährige Jessica Wasner (v.l.) aus Ulm erhofft, für die völlig klar ist, dass Deutschland auch Weltmeister wird. Sie setzt ihre Hoffnungen auf Mario Gomez. Mit einem 3:0 hatte sich Lisa Kießling begnügt, die auf Mesut Özil steht und den Ulmer Münsterplatz allemal dem heimischen Sofa vorzieht. „Das kann ich machen, wenn ich alt bin“, will sie das Feeling in der Masse nicht missen.
Und auch Ali Ahmed, der 30-Jährige, der erst seit zwei Jahren in Deutschland ist, glaubt zu Beginn des Spiels noch an ein 2:0. An Ende war er enttäuscht, hat aber eine klare Meinung über die WM: „Am Ende gewinnt Deutschland.“

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