Haushalt Mindestgage am Theater steigt

Am Theater Ulm werden „Die Räuber“ (hier: Jakob Egger, Lukas Schrenk) gespielt. Jetzt hebt die Stadt die Mindestgage für Schauspieler, Tänzer und andere künstlerische Mitarbeiter an.
Am Theater Ulm werden „Die Räuber“ (hier: Jakob Egger, Lukas Schrenk) gespielt. Jetzt hebt die Stadt die Mindestgage für Schauspieler, Tänzer und andere künstlerische Mitarbeiter an. © Foto: Martin Kaufhold
Ulm / Magdi Aboul-Kheir 28.11.2018

Bislang bekommen junge Schauspieler, Tänzer und andere künstlerische Mitarbeiter am Theater Ulm 2.000 Euro brutto pro Monat – künftig verdienen sie 2.200 Euro. Die Stadträte haben gestern in den Haushaltsberatungen überraschend die rasche Einführung einer „Ulmer Mindestgage“ beschlossen. Die Gagen älterer Mitarbeiter sollen entsprechend angeglichen werden. Dafür erhält das Theater bereits von 2019 an 65.000 Euro mehr.

Das Theater Ulm müsse in Konkurrenz zu anderen Häusern attraktiv bleiben, sagte Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt. Und es gehe darum, soziale Härten für junge Künstlerinnen und Künstler zu vermeiden. Vor einem Jahr hatte sich in Ulm eine lokale Gruppe der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger gegründet. Deren Gespräche, auch mit den Fraktionen, haben nun Früchte getragen.

Ausgangspunkt der Diskussion

Ausgangspunkt der Haushalts-­Debatte war die seit langem diskutierte Höherstufung des Philharmonischen Orchesters von Tarifgruppe C auf B. Verwaltung und Politiker halten es in dem Fall für unverzichtbar, die Gagen des sonstigen künstlerischen Personals entsprechend zu erhöhen, um Schieflagen zu vermeiden.

Auch Oberbürgermeister Gunter Czisch, der mit der generellen Höherstufung ein „Bauchproblem“ hat, weil er um die kontinuierlichen Folgekosten weiß, formulierte einen sozialen Appell. „Was ich nicht will: Wir bekommen ein B-Orchester, und der Rest bleibt, wo er ist.“

Das trugen alle Fraktionen mit, nur Finanzbürgermeister Martin Bendel schaute ob des Handstreichs unglücklich. Dagmar Engels (SPD) sprach von einem „sozialen Masterplan“ fürs Theater, Lena Schwelling (Grüne) regte einen Haustarif an, auch Helga Malischweski (FWG) redete der „Erhöhung für alle“ das Wort. Thomas Kienle (CDU) sorgt sich um die Konkurrenzfähigkeit des Theaters: Man dürfe nicht in einer Liga mit Kurorchestern spielen.

Zur Höherstufung des Orchesters gibt es zwei Varianten. Die kleinere Variante mit 66 Stellen im Stellenplan (von denen real nur 54 besetzt sind) kostet 259 000 Euro jährlich mehr beziehungsweise 752 000 Euro, wenn die Stellen tatsächlich besetzt werden. Die größere Variante mit rechnerisch 78 Stellen und sich daraus zwingend ergebenden tariflichen Veränderungen – zum Beispiel für den Chor und künstlerisches Personal – käme auf 522 000 Euro jährlich mehr beziehungsweise 1,67 Millionen, wenn all die Stellen auch tatsächlich besetzt würden.

Beschluss bis 2020

Über die Höherstufung wollen die Stadträte 2019 diskutieren und für 2020 einen Beschluss fassen. Das gilt auch für die Erhöhung des Ausstattungsetats und für die Schaffung von fünf Stellen an „neuralgischen Punkten“ (Weißhardt) wie Beleuchtung, Maske, Ausstattung und Regieassistenz.

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Museum Ulm: Umbau erst von 2026 an

In der Kultur-Haushaltsberatung ging es gestern auch ums Museum Ulm. CDU und SPD hatten beantragt, die Sanierung und Modernisierung des Hauses so voranzutreiben, dass diese bis 2025 – zur Feier des 100-jährigen Bestehens –  abgeschlossen sind. Seit 2009 werde debattiert, sagte Thomas Kienle (CDU), „seitdem gab’s Expertenrunden, Workshops, zwei Grundlagenpapiere und zwei Direktorinnen – und nichts ist geschehen“.

Das bleibt auch erst mal so. Denn der Technik-Neubau des Theaters soll bis 2023 entstehen, und wenn dieser (wie kürzlich im Kulturausschuss besprochen) auch eine Kinder- und Jugendbühne bekommt, wird das 25 Millionen Euro kosten. Da die Museumssanierung laut Baubürgermeister Tim von Winning auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird, folgt aus den „Mechanismen der Realpolitik“ (OB Gunter Czisch) fürs Museum Ulm: 2024 Planungsbeginn, 2026 Baubeginn. Es gehe nicht nur um Geld, betonte der OB, sondern auch um die Kapazitäten der Verwaltung: „Immer nur ein großes Kulturprojekt pro Legislaturperiode.“

Ob man nicht zumindest den Umbau des Museumseingangs vorziehen könne, frage Gerhard Bühler (FWG). Tim von Winning warnte, von Einzelmaßnahmen ohne Gesamtplanung sei „dringend abzuraten“. Für Kulturbürgermeisterin Iris Mann ist all das aus kulturpolitischer Sicht unbefriedigend, aber aus finanzpolitischer Sicht gehe es nicht anders. abo

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