Genossenschaft Milchpreis sinkt schon wieder

Milchpreise sinken erneut.
Milchpreise sinken erneut. © Foto: dpa
Ulm / kö 11.04.2018
Nach einem guten Jahr wegen hoher Butterpreise zahlen die Milchwerke Schwaben ihren Bauern nun wieder weniger Geld aus.

Vor allem wegen der Rekordpreise für Butter erlebten die Milchwerke Schwaben und die fast 1000 mit ihr verbundenen Landwirte 2017 ein ausgezeichnetes Jahr. Der Auszahlungspreis an die Bauern erhöhte sich im Sommer und Herbst auf den auch öffentlich geforderten Wert von 40 Cent je Kilogramm. Bei Biomilch waren es sogar 48 Cent. Dazu kommt neu ein Zuschlag von 1 Cent für gentechnikfreie Milch.

Weil nun aber im Zuge der besseren Preise die Milchproduktion wieder angezogen hat, gehen angesichts größerer Mengen die Auszahlungspreise schon wieder zurück. Schwabenmilch-Vorstand Karl Laible erläuterte gestern bei der Vertreterversammlung in der Donauhalle die aktuellen Zahlen: So ist der Milchpreis für die Bauern 2018 über 34 auf derzeit noch 31 Cent pro Kilo Milch gefallen.

Allerdings wollte Laible nicht zu pessimistisch in die Zukunft blicken, weil sich der Preis für Käse – das Hauptprodukt der Molkerei in Schwaighofen – wieder stabilisiert: „Es ist nicht alles schlecht, aber steht noch auf tönernen Füßen“, sagte Laible vor mehr als 300 Landwirten. Das Einzugsgebiet der Milchwerke (Firmensitz Ulm) reicht bis Tuttlingen, in die Stuttgarter Region und in den bayerischen Raum nach Neu-Ulm. Die Genossenschaft verfügt nach einem erneuten Rückgang der Mitgliederzahlen über exakt 927 Milchbauern.

Starkes Umsatzwachstum

Das Unternehmen konnte für sie im vergangenen Jahr angesichts der guten Marktpreise einen um fast 40 Millionen Euro erhöhten  Umsatz von rund 233 Millionen Euro erzielen. Bei im wesentlichen unveränderten Kosten flossen davon 38 Millionen Euro allein zusätzlich in das Milchgeld, wie Laible und sein Vorstandskollege Jakob Ramm erläuterten.

Die Ursache dafür lag nach Ramms Worten in den in der Nachkriegszeit bisher nicht bekannten Höchstpreisen für Butter, aber auch Sahne. Weil die Verbraucher darauf irgendwann mit Kaufzurückhaltung in den Supermärkten reagierten, kippten die Preise im Spätherbst wieder.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres machte den Milchwerken vor allem der Preisverfall bei Käse zu schaffen: Die Umsätze gingen um etwa 15 Prozent zurück. Bei Frische-Joghurt im Becher gab es hingegen einen Zuwachs um rund zehn Prozent, hier steht auch die Einführung einer neuen Bio-Produktlinie bevor.

Mehr Geld für Bio-Milch

Wegen der besseren Auszahlungspreise für Biomilch stellen derzeit viele Landwirte auf Bio um. Die Menge verdoppelt sich hier gerade, während die reguläre Milchanlieferung lediglich um knapp sechs Prozent zulegt. Für Laible stellte sich daher die Frage, wann eine Sättigungsgrenze erreicht wird. In Österreich gebe es bereits zu viel Biomilch.

Markenbotschafterin Alina Reh

Die Milchwerke sind zwar seit jeher stark im Export, wollen jedoch auch ihre regionale Marke „Weideglück“ nutzen, um die Absatzchancen zu verbessern. Laible berichtete von der erfolgreichen Weihnachtsbutter-Aktion. Aus dem Erlös fließen jeweils 10.000 Euro an die Ulmer Münsterbauhütte und die SWP-Aktion 100.000 und Ulmer helft.

Laible stellte im Donausaal auch Leichtathletin Alina Reh als Markenbotschafterin vor. Beide ermunterten die Milchbauern, sich am Weideglück-Team für den Einstein-Marathon zu beteiligen. Alina Reh sieht keinerlei Fitness-Hindernisse: „Bei den starken Landwirten, die auch schon so früh aufstehen müssen, sehe ich keine Probleme.“ Sie verkauft im Supermarkt ihrer Mutter auch Weideglück-Produkte.

So viel Milch in Schwaighofen wie noch nie

Auszahlung Die Milchwerke zahlten ihren Landwirten 2017 einen überdurchschnittlichen Preis von etwa 39 Cent pro Kilo Milch, das waren rund acht Cent mehr als 2016. Der Vorstand der Genossenschaft kündigte bei der Vertreterversammlung sogar nochmal eine Nachzahlung von 1,2 Cent an.

Anlieferung Die Genossenschaft hat zuletzt 54 Lieferanten verloren, aber 17 neue gewonnen. Die durchschnittliche Anlieferung lag bei 397.400 Kilo je Milchbauer, ein Plus von 41.000 Kilo. Die Anlieferung in Schwaighofen erreichte mit 368 Millionen Tonnen (plus 5,7 Prozent) ein Allzeithoch.

Investition Die Milchwerke Schwaben haben zuletzt wieder investiert: in moderne Anlagen zur Joghurt-Produktion und die Erneuerung der Milchanlieferung. Vorstand Jakob Ramm sagte, nach 50 Jahren habe man die Anlieferung überholen müssen. Größtes Projekt war zuletzt die neue Käserei. 184 Mitarbeiter.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel