Gedicht Lyrik: Mila Haugová stellt Band vor

Ulm / Elvira Lauscher 18.05.2018
Die slowakische Lyrikerin Mila Haugová stellt in der Ulmer Museumsgesellschaft ihren Band „Langsame Bogenschützin“ vor.

Mila Haugová ist die bekannteste slowakische Gegenwartslyrikerin. In den Räumen der Museumsgesellschaft hat sie den zweisprachigen Band „Langsame Bogenschützin“ vorgestellt, der im Ulmer Verlag danubebooks erschienen ist.

Die „Grande Dame der slowakischen Poesie“ sei sie, sagte Daniela Humajová, die Leiterin der Auslandsabteilung im Literárne informacné centrum (LIC) in Bratislava, die durch den Abend führte. Mehr als zwanzig Gedichtsammlungen hat Mila Haugová veröffentlicht, sie wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sie selbst spricht fließend Deutsch und Englisch und hat Werke renommierter Lyriker wie Sylvia Plath, Ingeborg Bachmann, Paul Celan ins Slowakische übersetzt.

Gedichte zu schreiben ist für sie wie atmen. „Ich schreibe dann, wenn mir etwas fehlt, um mein inneres Gleichgewicht zu finden“, sagt die Lyrikern, die sich als Kind vom Land bezeichnet. Daher schreibt sie vorwiegend in Bratislava und nicht in dem ländlichen Elternhaus, ihrem zweiten Wohnsitz.

In ihren Gedichten spielt Natur eine große Rolle. Pflanzen, Tiere und Naturbeobachtungen finden sich ebenso wie der kreative Umgang mit unerfüllten Lebensträumen oder Verletzungen. Die Erinnerung und Trauer an die zu früh verstorbene Mutter wird in dem von ihr gepflegten Wäscheschrank ausgedrückt: „Tischdenken Bettlaken Erinnerungen Tränen / der geliebten Welt . . .“

„Schießen ohne zu zielen“

Eigene Träume wie der, selbst Bogenschützin auf einem Pferd zu werden, werden ebenfalls literarisch umgesetzt. „Dieses Bild ist für mich eine Metapher für das Schreiben. Auf etwas zu schießen, ohne bewusst zu zielen.“ Auch die Liebe zur Enkelin, die sie als „Wildtierchen“ bezeichnet, findet in dem zart komponierten Gedicht „Amore 1“ eine lyrische Umsetzung.

Das aktuelle Buch ist eine Art „Best of“ der vergangenen 20 Jahre und, wie die Autorin und ihr Verleger Thomas Zehender betonen, ein Buch des gegenseitigen Vertrauens. Kennengelernt haben sich die beiden vor eineinhalb Jahren in Ulm, und sie hatten sofort einen Draht zueinander. „Ich wollte wieder nach Ulm kommen, weil ich mich hier so wohlfühle“, sagt Haugová, „Ulm hat eine historische schöne Seele.“

Ausgesucht hat sie die Gedichte für den fast 200-seitigen Band nach dem Herzensprinzip und in enger Zusammenarbeit mit der Übersetzerin Slávka Rude-Porubská. Beides hat dem Buch gutgetan.

Info Mila Haugová: Langsame Bogenschützin/Pomalá lukostrelkyna. Danubebooks Verlag, 188 Seiten, 18 Euro.