Gericht Messerstecherei in Asyl-Unterkunft: Afghane will aussagen

Ulm / KARIN MITSCHANG 16.09.2016
Ein 28-jähriger Afghane ist vor dem Landgericht Ulm wegen versuchten Mordes angeklagt. Am Freitag war Prozessauftakt. Der Beschuldigte möchte aussagen.
Reichlich Tränen hat der 28-jährige, afghanische Mordverdächtige bei der Anklageverlesung am Landgericht in Ulm am Freitag vergossen. Ihm wird zur Last gelegt, am 21. März dieses Jahres gegen 13.30 Uhr auf einen syrischen Bewohner in einer Ehinger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber nach einem Streit mit einem Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge eingestochen zu haben. Das Opfer wurde an der linken Niere schwer verletzt und musste zweimal operiert werden. Billigend habe der Afghane dessen Tod in Kauf genommen, schließt die Staatsanwaltschaft aus der unverhältnismäßigen Reaktion und der Intensität, mit der zugestochen worden sei. Außerdem habe er einen weiteren Syrer ebenfalls mit dem Messer am Arm verletzt, der angeblich schlichtend eingreifen wollte. Seine Wunde musste genäht werden.

Wie Benjamin Lenz von der Staatsanwaltschaft Ulm der Zweiten Großen Strafkammer verlas, hatte der Asylbewerber, der mit seiner Frau und vier Kindern in der Unterkunft lebte, einem syrischen Mitbewohner den Vorwurf gemacht, die Schuhe seiner Tochter entwendet zu haben. Daraus war der Streit und schließlich eine Rangelei zwischen den Männern entstanden, die sich sprachlich nicht verständigen konnten. Das Messer soll der wütende Afghane spontan von einem Kühlschrank genommen haben, der in einem der Räume stand, in dem sich der längere Streit ereignete. 

Die Anklage lautet auf versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen sowie zweifache gefährliche Körperverletzung.

Den Wunsch des völlig aufgelösten Angeklagten, der mit Hand- und Fußfesseln in den Saal gebracht wurde, mit seiner Frau zu sprechen, erfüllte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan nicht. Man könne aus Sicherheitsgründen keine Ausnahme machen.

Der Angeklagte, dem eine Übersetzung der Anklageschrift vorgelesen wurde, hatte sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, will aber im Rahmen der weiteren Verhandlung aussagen. Bis zu 18 Zeugen werden in dem Verfahren geladen, das am Freitag, 23. September, um 8.30 Uhr fortgeführt werden soll und für das zwei weitere Verhandlungstermine vorgesehen sind.