Türkei Mesale Tolus Anwälte sind für Freispruch

Demo für in der Türkei inhaftierte Journalistin Tolu: Anwälte haben erstmals Akteneinsicht.
Demo für in der Türkei inhaftierte Journalistin Tolu: Anwälte haben erstmals Akteneinsicht. © Foto: Matthias Kessler/swp
Ulm / Christine Liebhardt 15.08.2017
Die in Istanbul inhaftierte Neu-Ulmer Journalistin Mesale Tolu meldet sich aus dem Gefängnis. Die Besuchszeit wurde verkürzt. Auch haben ihre Anwälte erstmals Akteneinsicht.

„All diese Umstände sind ertragbar, denn ich weiß, dass ich hier festgehalten werde, weil ich mich für eine gerechte Welt eingesetzt habe.“ Diese Worte schreibt Mesale Tolu Corlu in einem handschriftlichen Brief vom 3. August, der den Solidaritätskreis „Freiheit für Mesale Tolu“ erst jetzt erreicht hat. Der Prozess gegen die in Istanbul inhaftierte Neu-Ulmer Journalistin und Übersetzerin, die zuletzt für die regierungskritische Nachrichtenagentur Etha gearbeitet hat, soll wie berichtet am 11. und 12. Oktober stattfinden.

Prozessort wird allerdings das mehrere Autostunden entfernte Silivri, teilt Pressesprecher Baki Selcuk mit. Er vermutet, dass durch die Verlagerung die Aufmerksamkeit reduziert werden soll. Der Solidaritätskreis will nun eine Delegation zusammenstellen, um den Prozess zu beobachten. Der 33-Jährigen werden „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ vorgeworfen. Tolu habe dies relativ ruhig aufgenommen, hat Selcuk von ihrem Vater erfahren.

Der Solidaritätskreis hoffe, dass Tolu nach ihrer für den 22. August angekündigten Haftprüfung vorläufig freigelassen wird. „Denn die konstruierten Vorwürfe gegen Mesale Tolu sind nicht zu halten.“ So sei die Anklageschrift so widersprüchlich, dass Tolus Anwälte in der Türkei der Meinung sind, dass sie freigesprochen werden müsste. Sie haben jetzt erstmals Akteneinsicht bekommen. Das ist ihnen bei Tolus Ehemann Suat Corlu nicht gelungen. Der 37-Jährige ist seit dem 5. April in Untersuchungshaft. Nach den Informationen des Solidaritätskreises soll er am 28. November erstmals vor Gericht stehen. Angehörige hätten außerdem mitgeteilt, dass die Besuchszeit für Mesale Tolu und die anderen Gefangenen von einer Stunde zunächst auf 45 und jetzt auf nur noch 30 Minuten eingeschränkt worden sei.

In ihrem jüngsten Brief beschreibt Tolu, dass ihr zweieinhalbjähriger Sohn Serkan, der mit ihr im Frauengefängnis Bakirköy lebt, bemerkenswert gut zurechtkomme. „Es ist erstaunlich, dass ein Kind, das fern von seinem Zimmer, seinem Bett und seinen Spielzeugen ist, diese Situation mit Gelassenheit aufnimmt.“ Tolu erinnert an die vielen Frauen und Kinder, die das gleiche Schicksal durchmachten. „Aber ich bin mir sicher, dass diese grauen Zeiten bald verfliegen werden. Egal wie finster die Nacht ist, der Morgen ist desto heller und sonniger“, schreibt sie.

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