Verlässlichkeit und Vertrauen, diese beiden Begriffe zogen sich wie ein roter Faden durch die Neujahrsrede von Beate Merk beim Empfang der Neu-Ulmer CSU am Dienstagabend. Die Justizministerin sprach im Allgemeinen, aber auch in eigener Sache. Eines wurde deutlich: Der Fall des in der Psychiatrie sitzenden Gustl Mollath hat Spuren hinterlassen. Sie habe Vertrauen in die bayerische Justiz, und deshalb habe sie sich auch schützend vor sie gestellt. Fehler seien nie auszuschließen, weil auch in der Justiz Menschen arbeiten. Die Angriffe hätten ihr schon zugesetzt, "aber ich halt das aus. Sie sehen es, mir geht es gut", sagte sie. Politik sei eben kein Zuckerwatte-Schlecken.

Ihre Rede hatte sie mit Einlassungen zu der Vergewaltigung einer jungen Inderin begonnen. "Menschen sehen dabei zu, sie tun nichts." Das sei fürchterlich schlimm gewesen. Sie habe dies angesprochen, weil es eben Länder gebe, in denen das Vertrauen zum Staat fehle. Ebenso gefährlich sei es, so Merk, einem Staat blind zu vertrauen. Verräter gebe es überall, zog Merk den Bogen zu Papst Benedikt, um die Plaudereien seines Kammerdieners anzusprechen. Für ihre eher nachdenklichen Worte zum Neujahrsempfang wurde sie mit viel Applaus belohnt.

OB Gerold Noerenberg blickte zufrieden aufs vergangene Jahr zurück. Bei seinen Sparbemühungen werde er von der Bürgerschaft unterstützt, meinte er zu wissen. Er versicherte, dass er den begonnen Dialog mit den Bürgern fortsetzen werde, "weil unsere Bürgerinnen und Bürger eine offene und ehrliche Antwort mehr schätzen als ein unehrliches Anbiedern".

Umrahmt wurde der gut besuchte Neujahrsempfang abermals im Petrussaal von Musikern der Musikschule - und erstmals gab es neben belegten Wecken auch kleine arabische Köstlichkeiten.