Wohnraum für Flüchtlinge wird dringend benötigt. Doch wenn sich in den Gemeinden keine geeigneten Gebäude finden oder die Inhaber nicht bereit sind, sie den Kommunen zu verkaufen oder an sie zu vermieten - was tun? Bislang sind dann oft Container die Alternative, weil schnell aufgebaut und vergleichsweise kostengünstig.

Dagegen haben die beiden Ulmer Architekten Bernd Hullak und Jens Rannow etwas. "Container sind Aufbewahrungsbehälter für Sachen, Menschen gehören da nicht rein", sagt Hullak. Deshalb haben sie ihr bereits 2012 entworfenes Modell für Kitas weiterentwickelt. Schnell realisierbar und kostengünstig sollen die Flüchtlingsunterkünfte sein. "Das ist für uns eine Bürgerpflicht", sagt Hullak. Deshalb habe man sich wieder für eine Modulbauweise entschieden, das heißt: Die einzelnen Module können flexibel an die bestehenden Verhältnisse angepasst werden.

Bereits ihr Kita-Konzept entstand aus dem Gedanken heraus, dass Menschen - egal ob Kleinkind oder Flüchtling - nicht in einem Container leben sollen, auch nicht vorübergehend. Die Holzmodule mit einer Länge von 26 Metern und einer Breite von 16 Metern können bis zu vier Stockwerke hoch gestapelt werden.

Diese Art der Unterkunft soll nicht nur eine Übergangslösung darstellen, sondern auch langfristig Wohnraum schaffen. "Wenn die Flüchtlinge eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, könnten sie in den Wohneinheiten leben", erklärt Jens Rannow. Aber dann mit mehr Raum für jeden Einzelnen. Die beiden Architekten können sich in großen Städten auch eine Weiternutzung als Studentenwohnheim vorstellen.

In einem zweigeschossigen Gebäude mit etwa 516 Quadratmetern Wohnfläche könnten in der Nutzung als Flüchtlingsheim 60 Personen leben. Eine Wohneinheit verfügt jeweils über eine Nasszelle und eine kleine Küchenzeile. Vorhänge vor den Schlafnischen, sollen den Flüchtlingen mehr Privatsphäre als in Massenunterkünften ermöglicht werden. "Wir wollen keinen Wohnheimcharakter erzeugen", sagt Rannow. "Die Menschen nehmen ja ihren ersten Eindruck mit, und das soll ein positiver sein." Bei einer Nachnutzung könne man bis zu 36 Personen in den Räumlichkeiten unterbringen.

Derzeit ist das Architekturbüro mit mehreren Gemeinden im Gespräch. Die müssen etwa vier Monate für den Bau eines solchen Gebäudes einkalkulieren. "Wir wollen schnell sein, wir müssen aber auch schnell sein", erklärt Hullak. Trotzdem soll das Konzept nachhaltig angelegt und nicht "wie so eine Blechbüchse" nur fünf Jahre bewohnbar sein. "Wir rechnen mit einer Nutzungsdauer von etwa 50 Jahren." Ein Quadratmeter koste etwa 1900 Euro.

Die Planung des Konzepts dauerte ähnlich lang wie die veranschlagte Bauphase. "Wir konnten eben auf dem Kita-Konzept aufbauen", sagt Hullak. "Das hat uns einiges erleichtert."