Roxy Melodiös und funky

Sie spielte einst mit Prince: Ida Nielsen.
Sie spielte einst mit Prince: Ida Nielsen. © Foto: Albert Hefele
Ulm / Albert Hefele 05.11.2018

Eigentlich war das ein „must“ für alle Bassspieler. Ida Nielsen, auch „Bass Ida“, „Bassida“ oder „Ida Funkhouser“ genannt, stand mit ihrer Band „Funkbots“ auf der kleinen Bühne der Roxy-Cafébar. Und die kleine Bühne war ein Segen, denn so konnten Musiker und normale Menschen der Legende an den dicken Saiten ungestört auf die Finger schauen.

Legende deswegen, weil Ida Nielsen zur berühmten Frauenriege im Line-up des erst recht legendären und allzu früh verstorbenen Musik-Genies Prince gehörte. Dem war auch die Optik seiner Band ein zentrales Anliegen. Daher: attraktive Frauen, die gleichzeitig tolle Sängerinnen oder/und auch erstklassige Musikerinnen waren. Naheliegendes Beispiel: die Dänin Ida Nielsen, die Prince 2010 anlässlich einer Session zum ersten Mal leibhaftig hörte und gleich für seine „New Power Generation“ engagierte. Von da an waren die großen Festivals,  Bühnen und Studios Alltag für sie.

Und nun die Cafébar. Ein lästiger Einschiebe-Pflicht-Termin in der Provinz? Könnte man vermuten und würde völlig falsch liegen. Das komplette Gegenteil war der Fall. Kaum hatte Frau Nielsen mit den Funkbots die Bühne geentert, legte das Quartett mit einer unglaublichen Spielfreude und echter Begeisterung los. Um was es dann geht, wenn eine Bassistin den Ton angibt, die die Prince-Schule durchlaufen hat? „You Can’t Fake The Funk“ – diese Nummer bringt es schon im Titel auf den Punkt: keine Tricks, keine Ausreden – that’s Funk. Und „Rock The Bass“. Auch so eine Programmnummer im Repertoire: Ida Nielsen ist Funk, und sie ist Bassistin.

Diese setzen sich in der Musikszene immer mehr durch, siehe auch Tal Wilkenfeld und Rhonda Smith in der Band von Jeff Beck. Sehr junge, fast zerbrechliche Frauen, die das ehemals sehr typische „Männerinstrument“ mit einer Souveränität okkupiert haben, die männliche Musiker fassungslos zurücklässt. „Wie machen die das?“ Absolut verblüffend der geringe Kraftaufwand, mit dem Bassistinnen spielen. Sie phrasieren mit einer Leichtigkeit und Anmut, ohne die unerlässliche Power zu verlieren, wie es vielleicht – „nur Frauen können?“ Sicher ist, die Zeiten, in denen der Bassist/die Bassistin vor allem verlässlich vor sich hingebrummt hat, sind spätestens seit Jaco Pastorius vorbei. Das technische Repertoire hat sich dramatisch entwickelt. Wunderbar zu studieren an Frau Nielsen.

Sie hat alle Funkriffs drauf, die man jemals gehört hat, sie hat eine rechte Hand, um die sie Flamenco-Gitarristen beneiden dürften. Sie „slapped“ wie mit dem Hammer, sie kann Flageolett und bei Bedarf schöne, butterweiche Akkorde einstreuen. Sie ist eine „singende“ Bassistin: melodiös und funky. Ideal ergänzt von Drummer Patrick Dorcean, dem rauschebärtigen Gitarristen Mika Vandborg und dem Rapper und „Poeten“ (nach eigener Aussage) Kuku Agami, der mit seinen Raps eine etwas andere, ungewöhnliche Farbe in das Funkgewitter bringt. Eine gut aufgelegte Band, eine tolle Show, ein wirklich schöner Abend – nicht nur für Bassisten!

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