Meisterliche Geigentöne in Illertissen

GOTTFRIED LOTHAR 07.04.2014

Schon vom ersten Ton an überzeugten die französische Pianistin Sarah Tysman und Maia Cabeza, Violinistin argentinischer Abstammung, mit spielerischer Ausdruckskraft, technischem Können und großartigem Zusammenspiel und eroberten so das Publikum im Barocksaal des Vöhlinschlosses Illertissen.

Rasant und ohne Rücksicht auf etwaige Ausrutscher starteten die beiden mit Franz Schuberts früher Sonate A-Dur. Über einem düsteren Klavierostinato im 1. Satz erhob sich eine liedhafte Kantilene der Violine, die nach sanglichen Modulationen im tänzerisch-rupppigen Finale zu einem Thema mit vielen Doppelgriffen führte.

Alfred Schnittkes Sonate Nr. 1 vermittelt eine geheimnisvolle, gespenstische Stimmung, da sich die vorgestellten Themen oft nicht auflösen, sondern im Gegeneinander beider Instrumente im Nichts verklingen. Die in Japan geborene Violinistin Maia Cabeza, die im letzten Jahr beim Leopold-Mozart-Wettbewerb in Augsburg den 1. Preis gewonnen hatte, meisterte die technischen Probleme des Stückes mühelos, setzte sich mit stupender Artistik gegen die Ostinati des Klavieres durch, die Sarah Tysman mit brachialem Anschlag auf den kleinen Stutzflügel hämmerte, und beendete das Stück mit Themenfragmenten im verklingenden Pizzicato.

In der beliebten 3. Violinsonate von Johannes Brahms trat die Geigerin in einen virtuos konzertanten Wettstreit, da der Klavierpart in dieser Komposition gleichberechtigt ausgebaut ist.

Béla Bartóks Rhapsodie Nr. 2 hingegen baut auf den zwei Teilen des traditionellen Csárdás auf, der ausgelassen wirbelnd endet und Maia Cabeza noch einmal Gelegenheit gab, in der grandiosen Ausführung der technischen Finessen des Stücks ihre Meisterschaft unter Beweis zu stellen.

Mit Schuberts Ständchen "Leise flehen meine Lieder" bedankten sich die beiden Künstlerinnen schließlich für den überschwänglichen Beifall.

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