Sedelhöfe Mehr Wohnungen für Sedelhöfe - Investitionen steigen auf 200 Millionen Euro

Visualisierung der Sedelhöfe am Ulmer Hauptbahnhof aus der Luft.
Visualisierung der Sedelhöfe am Ulmer Hauptbahnhof aus der Luft. © Foto: DC Commercial/DC Values
HANS-ULI THIERER 17.12.2015
Gegenüber dem Hauptbahnhof vollends auf die Schiene gesetzt: Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan Sedelhöfe verabschiedet. Mit dem Projekt verbinden sich hohe Erwartungen – auch im Wohnungsbau.
Das kommt nicht mehr überraschend: Der Ulmer Gemeinderat hat vollzogen, was ihm tags zuvor der Bauausschuss empfohlen hatte: nämlich den neuen, dem veränderten Konzept angepassten Bebauungsplan Sedelhöfe zu verabschieden. Der Satzungsbeschluss erfolgte gestern einstimmig.

Wie im Gemeinderat, so war schon vormittags auf einer Pressekonferenz deutlich geworden: Mit den neuen Plänen des neuen Investors DC Commercial/DC Values aus Hamburg ist die Lokalpolitik nicht nur höchst einverstanden. Verknüpft ist damit die Hoffnung, sowohl in Städtebau und Architektur als auch in inhaltlicher Konzeption eine optimale Lösung für den mittlerweile mehr als ein Jahr lang brach liegenden 12.000 Quadratmeter großen Grund zu erhalten. Er liegt gegenüber dem Hauptbahnhof und am West-Eingang zur City.

Lothar Schubert, geschäftsführender Gesellschafter von DC Commercial/DC Values, dachte nicht daran, die Erwartungen zu dämpfen. Im Gegenteil. Er kündigte an:

Investitionen DC habe das bisherige Investitionsvolumen von 170 Millionen auf 200 Millionen Euro nach oben korrigiert. Dies nicht zuletzt, weil sich der Baugrund durch den Erwerb des Gebäudes Bahnhofstraße 18 („Kolb-Haus“) vergrößert, aber eben auch fein abgerundet habe. Finanzbürgermeister Gunter Czisch, der für die Stadt federführend mit Schubert verhandelt hatte, sagte in diesem Zusammenhang, das Gesamtprojekt Sedelhöfe werde für die Stadt kein Draufzahlgeschäft. Selbst wenn der Grundstückspreis von 30 Millionen Euro im Zuge des anstehenden Closings (finaler Vertragsabschluss) womöglich nicht erreicht werde, so schaffe der Investor auf seine Kosten den öffentlichen Platz, der die vier Neubauten erschließe. Und er baue 700 Stellplätze, was ansonsten Aufgabe der Stadt und ihrer Parkbetriebsgesellchaft gewesen wäre.

Wohnungen DC Commercial/DC Values will in den oberen Stockwerken nun sogar mehr als die bisher angekündigten 100 Wohnungen schaffen, Schubert sprach von 112. Es werde sich ausschließlich um Mietwohnungen handeln, ein bis vier, die meisten aber zwei bis drei Zimmer groß. Sie sollen hochwertig wie Eigentum ausgestattet werden und zu ortsüblichen Konditionen vermietet werden. Der DC-Manager nannte als Orientierungsgröße 1000 Euro für eine 60-Quadratmeter-Wohnung – „möglichst warm“.

Handel und Dienstleistung In den Etagen unter den Wohnungen des großen Einzelhauses und in den drei übrigen Häusern kommen Einzelhandel und Dienstleistung/Büros unter. Schubert geht in den mit Handel belegten Stockwerken minus eins bis maximal plus zwei von etwa 30 Läden ganz Unterschiedlicher Größen aus.

Tiefgarage Weil es ein Wunsch der Stadt gewesen sei, baue man als Ersatz für die bisherigen nicht nur wieder 500, sondern 700 Stellplätze in den drei Ebenen unter dem unteren Handelsstockwerk. Die Stadt selber schafft vor dem Hauptbahnhof ihrerseits bekanntlich weitere 500 Parkplätze in einer Tiefgarage.

Baumassen und -fahrplan Noch vor Weihnachten, nämlich kommende Woche am Dienstag, werde der Bauantrag eingereicht, kündigte Schubert an. Mit dem Aushub der Baugrube will der Investor Mitte 2016 beginnen. Geplante Fertigstellung: erstes Halbjahr 2019, dann, wenn auch die städtische Tiefgarage und vor allem die Straßenbahnlinie 2 gebaut sein sollen. Bis dahin werden aus einer knapp 17 Meter tiefen Baugrube vier bis zu 26,5 Meter hohe Gebäude wachsen, die dann Geschossflächen von insgesamt 77.000 Quadratmetern (etwa zehn Sportplätze) bieten.

Baubürgermeister Tim von Winning nennt das Projekt einen Meilenstein. Weil die Sedelhöfe ein Stück neues Stadt schüfen, unterschieden sie sich gravierend von anderen Einzelhandelsprojekten. Diese fielen gemeinhin als Shopping Malls wie Raumschiffe vom Himmel, ohne Rücksicht auf Verluste in der Umgebung. Vor solch „grauenhaften Objekten“, zu denen von Winning im Prinzip auch das Stuttgarten Milaneo zählt, bleibe Ulm nun zum Glück verschont.

Themen in diesem Artikel