Wiblingen Mehr Vereinsämter an die Jugend

Beim TV Wiblingen wurden geehrt (von links): Albert Häufele (65-jährige Mitgliedschaft), Waltraud Schenke (50 Jahre), Gerhard Werner (55), Günther Zierke (55) und rechts steht 1. Vorsitzender Horst Wagner.
Beim TV Wiblingen wurden geehrt (von links): Albert Häufele (65-jährige Mitgliedschaft), Waltraud Schenke (50 Jahre), Gerhard Werner (55), Günther Zierke (55) und rechts steht 1. Vorsitzender Horst Wagner. © Foto: TV Wiblingen
Wiblingen / BEATE STORZ 03.12.2015
Vereins-Amt statt Vereinsamung ist das Motto des TV Wiblingen, weil das Ehrenamt schwächelt. Der Vereinsvorsitzende Horst Wagner will Jugendlichen mehr Verantwortung übertragen.

"Es kann doch eigentlich nicht sein, dass massenweise Menschen alleine daheim sitzen und vereinsamen, während wir hier händeringend nach Ehrenamtlichen suchen", sagte Vorsitzender Horst Wagner bei der Jubilarfeier des TV Wiblingen 1905, der aktuell rund 2000 Mitglieder hat.

Deshalb hatte er die Idee: Vereinsarbeit gegen Vereinsamung. Denn: Jugendliche hat der TV genügend, Ältere und Alte auch. Aber in ihren geschäftigen Berufsjahren, so zwischen 20 und 40, da bleiben die Mitglieder wie in vielen anderen Vereinen auch, fern, kümmern sich um ihre Karriere und die Familie.

Um die Lücke zu füllen, will Wagner die Jugend mehr in die Verantwortung nehmen. Er findet, dass auch eine 16-Jährige sehr wohl Schriftführerin sein könne und ein 18-jähriger Fußballer durchaus das Zeug zum Trainer oder Schiedsrichter hat. Wagner schwebt ein Fünfjahresplan vor, in dem jedes Jahr mindestens ein Jugendlicher eine Schiedsrichter- oder Trainerausbildung absolviert und somit dem Verein dient. Obendrein, so hofft er, binde dies die Jugendlichen so sehr an den Verein, dass sie trotz Berufsausbildung oder Familienplanung dabeibleiben und nicht erst wieder mit grauen Schläfen zurückkehren.

Andere sind zumindest schon lange Mitglied, das zeigten die Ehrungen. Ulrike Freund, die Geschäftsführerin der Gold-Ochsen-Brauerei, wurde für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt. Ihr sei das Ulmer Vereinsleben wichtig, sagte sie, und sie engagiere sich in vielen Vereinen - als Mitglied, aber auch als Sponsor. "Das Vereinsleben ist ein Relikt aus analogen Zeiten. Es soll auch heute, in der digitalen Welt, eine Zukunft haben", sagte Ulrike Freund.

Bei den Ehrungen wurde Dietmar Fleischhut posthum für 65-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Er war kurz zuvor verstorben, hieß es bei der Feier.

Waltraud Schenke ist seit 1965 Vereinsmitglied, ist 82 Jahre alt und war jahrelang Übungsleiterin für Kinderturnen, dann Frauenturnen und transportierte vor 20 Jahren Yoga nach Wiblingen. Vergangenes Jahr noch war die damals 81-Jährige Yoga-Übungsleiterin. Und noch heute geht sie zusammen mit ihrem Ehemann Claus vier Mal pro Woche zum "Training".