Parken Mehr Parkplätze am Ludwigsfelder Badesee

Allen Schilder zum Trotz wird auch auf Rettungswegen geparkt. Die Stadt lässt die Autos abschleppen
Allen Schilder zum Trotz wird auch auf Rettungswegen geparkt. Die Stadt lässt die Autos abschleppen © Foto: .Oliver Schulz
Neu-Ulm / EDWIN RUSCHITZKA 16.09.2016
Am Ludwigsfelder Badesee werden 134 neue Parkplätze angelegt. Was sich die Stadt 132.500 Euro kosten lässt. Das gefällt nicht jedem Stadtrat. <i>Mit einem Kommentar von Edwin Ruschitzka : Erzieherische Wirkung</i>.

Ideales Badewetter gab’s im Juli und August kaum. Nur an zwei Wochenenden strömten die Massen zum Ludwigsfelder Badesee. Und einige Besucher ließen es dabei in der Stadtkasse ordentlich klingeln. Die Parkdisziplin am und um den Badesee herum ist verheerend, was Anwohner in Ludwigsfeld immer wieder beklagen und die Stadt dazu veranlasst hat, dort seit geraumer Zeit Kontrollen durchzuführen: Über 500 kostenpflichtige Verwarnungen wurden von der Kommunalen Verkehrsüberwachung verhängt, fünf Fahrzeuge mussten abgeschleppt werden, weil sie Rettungswege behinderten.

Mehr Parkplätze Mit Knöllchen alleine ist dem Problem also nicht beizukommen. Und so hatte die CSU-Fraktion schon im vergangenen Jahr beantragt, dass die Stadt prüfen möge, ob am Badesee zusätzliche Parkplätze möglich wären. Im Moment gibt es dort 410 kostenlose Stellplätze. Am Mittwoch hat nun der Technische Ausschuss, öffentlicher Lebensraum und Verkehr darüber beraten. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, in einem ersten Schritt neben den bestehenden Parkplätzen und westlich der Tennisanlagen weitere 69 Stellplätze anzulegen. Als Kosten waren 132.500 Euro ermittelt worden. Möglich wären dann noch in einem zweiten Schritt 65 Parkplätze an der Alten Römerstraße für weitere 80.000 Euro. Gegen drei Stimmen wurde die Erweiterung des bestehenden Parkplatzes beschlossen, die Stellplätze an der Alten Römerstraße aber noch nicht. Das letzte Wort in dieser Sache soll aber der Finanzausschuss während der Haushaltsberatungen im Herbst sprechen. Was die Stadträte aber nicht davon abhielt, sich schon mal auszutauschen.

Zwei Lager wurden deutlich: Auf der einen Seite die von SPD, FDP und PRO Neu-Ulm unterstützte CSU, die mit der Bearbeitung ihres Antrags höchst zufrieden war. Fraktionschef Johannes Stingl: „Da draußen gibt es Probleme, die müssen wir lösen und nicht schönreden.“ Das war eine Retourkutsche auf die Wortbeiträge von Christina Richtmann (FWG) und Gerlinde Koch (Grüne), die beide die zu hohen Kosten kritisierten und die Parkplatz-Erweiterung grundsätzlich in Frage stellten. Nicht jeder müsse mit Auto zum Baden fahren, man könne ja auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad kommen. Zudem werde das Problem mit der fehlenden Parkdisziplin auch nicht mit zusätzlichen Parkplätzen gelöst. Außerdem hätten sich nach Auskunft der Verwaltung in diesem Jahr nicht allzu viele Anwohner aus Ludwigsfeld über die zuparkten Straßen beschwert.

Sieben Knöllchen pro Minute: Die Stadt wird die Kontrollen am Ludwigsfelder Badesee auch in Zukunft aufrecht erhalten. Kein Wunder, bei der finanziellen Ausbeute: Über 500 Verwarnungen an zwei Wochenende seien umgerechnet sieben Verwarnungen pro Minute, so der OB. Geht man davon aus, dass sich das Verwarnungsgeld zwischen 10 und 35 Euro bewegen, hat die Stadt an diesen beiden Wochenenden mindestens 5000 Euro eingenommen. Wahrscheinlich dürfte es aber deutlich mehr gewesen sein.

Ein Kommentar von Edwin Ruschitzka : Erzieherische Wirkung

Man kann es natürlich sehen wie die FWG und die Grünen in Neu-Ulm: Weitere Parkplätze am Ludwigsfelder Badesee seien kropfüberflüssig, weil nutzlos und viel zu teuer. Die Leute sollen gefälligst mit dem Bus oder mit dem Rad kommen. Stimmt! Das gilt vor allem für jene, die in der nahen Umgebung wohnen. So richtig diese Ansicht ist, ist sie in Teilen auch falsch.

Der Ludwigsfelder Badesee erfreut sich nämlich einer Beliebtheit weit über die nahe Umgebung hinaus. Da nehmen Menschen zuweilen eine weite Anreise in Kauf, um ein paar Stunden Erholung genießen zu können. Das macht Neu-Ulm attraktiv. Auch darüber sollten Stadträte froh sein. Diese Menschen aber brauchen Parkraum, der am See schnell ausgereizt ist. Wenn die Stadt jetzt in Summe über 200.000 Euro ausgibt, um 134 Parkplätze anzulegen, ist das – zugegeben – sehr viel Geld.

Auf Jahre gesehen wird die Stadt diese Investition über die verteilten Knöllchen am Badesee mehr als einspielen. Denn eines ist gewiss: Die Parkmoral wird durch zusätzliche Parkplätze, die bei gutem  Wetter allzu schnell vergeben sind, nicht sofort besser. Da hilft nur beharrliches Kontrollieren. Was auch im Sinn der Anwohner ist, die bei jeder Gelegenheit betonen, dass ihre Straßen oft zugestellt sind. Dort zu wohnen, ist dann nicht unbedingt ein Vergnügen. Was bleibt, ist also die Hoffnung, dass die Kontrollen doch eine erzieherische Wirkung haben. Gewiss ist das nicht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel