Wirtschaft Mehr Hotels bedeuten einen verschärften Preiskampf

Frank König 08.01.2019

Wer in Ulm und Neu-Ulm übernachten will, hat längst die Wahl zwischen namhaften Hotelketten: wie Maritim, Leonardo, Accor (Ibis) oder Golden Tulip. Auch regionale Ketten wie Riku befinden sich auf Expansionskurs. Demnächst kommt in den Sedelhöfen Lindner mit einem „Me and all“-Hotel und erneut 141 Zimmern hinzu.

Das erhöht einerseits die Auswahl an schicken Hotels, andererseits kommen deswegen nicht unbedingt mehr Besucher in die Doppelstadt. Das bedeutet: Die Auslastung in der Hotellerie geht tendenziell zurück und verharrt im Falle Ulms und Neu-Ulms somit unter der 50-Prozent-Marke.

Dazu kommt: Die Auslastung hängt in erster Linie an der Wirtschaft, an Tagungen und Kongressen. Diese Veranstaltungen sorgen für drei Viertel der Auslastung in den Hotelbetrieben, der Tourismus für das restliche Viertel. Er kann also zumindest Schwankungen ausgleichen, falls die Konjunktur nachlässt. Die Abhängigkeit der Hotellerie von der regionalen Wirtschaft gibt dem Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik, Wolfgang Dieterich, zu denken: „Das macht schon Sorgen.“ Aus seiner Sicht sind inzwischen die „Kapazitäten ausreichend“. Ein weiterer Ausbau werde zu einem verschärften Preiskampf und Kampf ums Personal führen. Das befürchtet demnach auch die Dehoga.

Auch Airbnb als Konkurrenz

Eine Herausforderung für die Branche sei außerdem immer mehr das „Dynamic Pricing“ – also Preise, die je nach Tag und Belegungsquote wechseln. Das kann zu hohen, aber auch mal niedrigen Preisen führen. Ein Fahrradtourist werde sich in der kleinen Großstadt Ulm vermutlich über Zimmerpreise jenseits der 100-Euro-Marke wundern.

Über Lindner hinaus kündigen sich weitere Ansiedlungen an. Dieterich: „Es gibt eine Vielzahl von Projekten in der Pipeline“. Die Centro-Gruppe, unter der nun auch das Hotel „Stern“ firmiert, will nach Erkenntnissen Dieterichs einen zweiten Standort in der Kässbohrerstrasse eröffnen. Außerdem gebe es nach wie vor das Hotelprojekt am Bahntrog in Neu-Ulm mit rund 130 Zimmern.

Dazu kommen hotelähnliche Serviced Apartments wie von Proinvest neben dem Leonardo und neue Zimmer-Vermietkonzepte wie Airbnb, bei denen Privatwohnungen vermarktet werden. Dieterich schätzt auf Basis einer bei der Plattform angeforderten Liste, dass es in Ulm/Neu-Ulm 40 bis 50 Airbnb-Vermieter gibt. Diese Angebote kommen zu den 69 offiziellen Hotels hinzu.

Die behördlichen Statistiken beziehen sich auf die Bettenauslastung, während die Hotels meist die Zimmerauslastung angeben. Sie liegt im Maritim bei 70 Prozent, berichtete zuletzt Direktorin Heike Schober beim Wechsel auf ihren Nachfolger Frank Wilberg. Bezogen auf die Bettenauslastung liegt Ulm mit lediglich etwa 49 Prozent (2017) auf dem vorletzten Platz der Stadtkreise, nur Pforzheim ist schlechter. Die Spitzenplätze belegen Heidelberg und Freiburg mit fast 60 Prozent. Das wirtschaftsstarke Heilbronn weist immerhin 55 Prozent auf – hier gibt es aus Sicht Dieterichs eher noch zu wenige Hotels. „Das sind die drei Top-Städte.“

Zweitstärkster Zuwachs

Ulm und Neu-Ulm verfügten 2017 (die abschließenden Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor) über 5474 Hotelbetten, davon mit 4103 der Löwenanteil in Ulm. Bis Oktober vergangenen Jahres waren bereits 599 neue Betten hinzugekommen, das ist nach Stuttgart mit rund 800 der zweitstärkste Zuwachs in Baden-Württemberg. Dabei schlägt vor allem das neue Leonardo mit 148 Zimmern am Blaubeurer Ring zu Buche.

Ein Kuriosum: Neuerdings wird der Stellplatz für Wohnmobile an der Friedrichsau in die Bettenstatistik einbezogen, und zwar mit durchschnittlich 2,4 Personen pro Wohnmobil.

Der starke Bettenzuwachs ist vielleicht auch ein Beleg für die Attraktivität Ulms, denn die Übernachtungszahlen legen zu. Dieterich rechnet mit einem Wachstum von sieben bis acht Prozent im abgelaufenen Jahr.

Neue Bestmarke

Das bedeutet: Ulm/Neu-Ulm überschreitet erstmals die Marke von 900 000 Übernachtungen, während es 2017 noch 848 000 waren. Der Zehnjahresvergleich: 2008 waren es bloß 536 000 Übernachtungen. Als besonders erfreulich wertet Dieterich den hohen Anteil ausländischer Touristen, im August sogar 33 Prozent. Es ist der dritthöchste Wert nach Heidelberg und Freiburg.

Allerdings ist die Verweildauer gering, oftmals nur einen Tag, weil Übernachtungsgäste aus den Benelux-Staaten eben bloß auf der Durchreise in den Süden sind.

Daher geht es für einen Tourismus-Manager natürlich darum, Besucher möglichst lange an die Stadt zu binden und entsprechende Attraktionen zu schaffen. Auf der am Samstag startenden CMT-Urlaubsmesse in Stuttgart lautet das Motto „Entdecke das Land des Löwenmenschen“. Vor allem Chinesen sind in Ulm auch auf den Spuren von Albert Einstein – einer der Gründe, weshalb Dieterich die Machbarkeitsstudie zum Discovery Center gut findet, darüber hinaus den Umbau des „Engländer“ zu einem Museum über die Wurzeln der Familie Einstein in Ulm. Am liebsten hätte er auch den Einstein-Brunnen vom Zeughaus in die Stadt hineinverlegt, denn die Einstein-Denkmäler sind wegen der Sedelhöfe verhüllt oder abmontiert.  Wichtigste Touristenattraktion ist das Münster, vor dem Fischerviertel.

Daten und Fakten zum Tourismus-Büro

Aufgabenspektrum Die städtische Tochtergesellschaft Ulm/Neu-Ulm Touristik vermittelt Zimmerkontingente – wie für Großveranstaltungen –, betreibt die Tourist-Info im Stadthaus mit dem Verkauf von Souvenirs und organisiert Stadtführungen. Etwa 20 Mitarbeiter. Am 23. Februar ist großer Stadtführungstag von 11 bis 16 Uhr. Es gibt etwa 50 Stadtführer, die auch in ihren Muttersprachen informieren. Derzeit werden auch eine Chinesin und Usbekin ausgebildet. Wolfgang Dieterich (54) ist dienstältester Geschäftsführer bei den städtischen Gesellschaften. Er ist schon seit 1995 an Bord, die UNT gibt es seit 1993.

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