Ulm / Verena Schühly  Uhr

Wir haben dazu keine Spezialisten“, bedauert Christian Glass, der Leiter des Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM) mit Blick auf das Reformationsgedenkjahr. Aber dafür hat das DZM Partner-Einrichtungen. Eine davon ist das Deutsche Kulturforum östliches Europa mit Sitz in Potsdam. Und von dort kommt die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“, die seit dem 3. Mai in Ulm zu sehen ist.

Deren Kurator Dr. Harald Roth erläuterte gestern die Schau, die aus 30 Tafeln besteht und die Ausbreitung der Ideen einer Erneuerung der Kirche ab dem 16. Jahrhundert in den Ländern des östlichen Mitteleuropas thematisiert. Also deutlich über donauschwäbisches Gebiet hinaus.

Eine der Grundideen der Schau ist es, so Roth, den Blick zu weiten, der „in Deutschland meist nur Luther in den Blick nimmt“. Das trifft zwar auf die Ulmer nur bedingt zu, die zum Reformations-Jubiläum den Fokus auf eben die Vielstimmigkeit richten, also das Nebeneinander von verschiedenen Glaubensrichtungen in Ulm zwischen 1530 und 1548.

Mit Blick auf das östliche Europa lassen sich diesbezüglich natürlich weitere Kreise ziehen. Außerdem zog sich die Entwicklung über 200 Jahre lang hin. „Die reformatorischen Ideen verbreiteten sich über die Städte, in denen Deutsch gesprochen wurde“, erklärte Roth. Ein Grund für die schnelle Ausbreitung war eine gewisse Offenheit, die Jan Hus gelegt hatte. Der aus Böhmen stammende Reformator war gut 100 Jahre vor Luthers Thesenanschlag für seine Lehren auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

Die Ausstellung zeichnet nach, dass und wie in den Ländern Osteuropas die Glaubensrichtungen der Lutheraner, Reformierten, Unitarier, Böhmischen Brüder, Katholiken und Ostkirche nebeneinander existierten und zeitweise konkurrierten, was blutige Glaubenskriege zur Folge hatte. Insbesondere zur Zeit der Gegenreformation wurden Protestanten massiv verfolgt. Bekannt ist beispielsweise, dass die katholischen Habsburger auf dem Gebiet der heutigen Slowakei protestantische Lehrer als Galeerensklaven verkaufte.

Es gab auch immer wieder „Glaubensflüchtlinge“ aus den westlichen Ländern, die im Osten Schutz und Heil suchten. So gelangten beispielsweise Menschen aus Tirol nach Schlesien, wo Religionsfreiheit herrschte.

Eine besondere Rolle spielte das Fürstentum Siebenbürgen, in dem seit dem 16. Jahrhundert eine – selbst von den Kommunisten nicht unterbrochene – Glaubensfreiheit herrscht, die vier Konfessionen gleichberechtigt anerkennt: Lutheraner, Reformierte, Unitarier und Katholiken.

Info Die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“ im DZM ist bis 18. Juni zu sehen. Öfnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.