Auch in Ulm und der Region ist für Arztpraxen die Versorgung mit Infektions-Schutzausrüstung ein Problem. „Die Situation ist schlecht, die Vorräte für Schutzausrüstung sind in vielen Praxen aufgebraucht. Man stellt sich darauf ein, manchen infektiösen Patienten behandeln zu müssen, aber nicht auf so eine Epidemie“, sagt der Arzt Norbert Fischer. Er ist Vorsitzender der Kreisärzteschaft Ulm.

Bestellungen konnten nicht bedient werden

Praxen haben in den vergangenen Wochen versucht, Schutzmäntel, Masken oder Desinfektionsmittel zu kaufen, aber es gab keine Lieferungen mehr. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat größere Bestellungen angekündigt, auf die die Ärzte nun hoffen, ist aber mit denselben Engpässen konfrontiert. Verbessern könnte sich die Situation, wenn in China die Produktion dieser Artikel wieder anlaufen kann. Fischers eigene Praxis profitiert von der Solidarität einer benachbarten Firma, die ihr immerhin einige einfache Schutzmäntel zur Verfügung gestellt hat. Auch auf den Praxisbetrieb wirkt sich die Pandemie aus, für Patienten mit Symptomen infektiöser Krankheiten werden eigene Termine vergeben.

Für den Landkreis Neu-Ulm können aktuell weder das Landratsamt noch die Berufsvertretung im Ärztlichen Bezirksverband Schwaben einen Überblick über die Versorgungslage geben. Denn Informationen darüber laufen vor allem bei der KV zusammen, deren für den Landkreis zuständige Vertretung in Augsburg am Dienstag nicht erreichbar war.

Wichtig für medizinisches Personal, sinnvoll für alle

Für in medizinischen Berufen Arbeitende sind Atemschutzmasken ein wichtiges Instrument. Sie senken bei der Arbeit in einem Umfeld mit Kranken den Grad, zu dem die Mitarbeiter Viren ausgesetzt sind.

In der Bevölkerung können einfache Atemschutzmasken das Risiko, sich in der Öffentlichkeit selbst anzustecken, zwar nicht wesentlich verringern. Infizierte können damit aber vermeiden, selbst das Virus weiterzutragen, zum Beispiel während sie noch keine Symptome zeigen. Dafür, dass diese Gruppe im Alltag Masken trägt, lässt sich nur sorgen, wenn alle das tun. Aktuell fehlen dazu Masken, die ohnehin zunächst das medizinische Personal braucht – es gibt aber auch immer mehr Initiativen und Anleitung, die selbst zu nähen.

Vorrat für ein paar Tage

Auch Dr. Sophia Blankenhorn, niedergelassene Hausärztin in Allmendingen und Vorsitzende der Kreisärzteschaft Alb-Donau, hofft auf die Lieferung der KV, die über das Bundesgesundheitsministerium von Minister Jens Spahn mit Schutzausrüstung – Handschuhe, Masken, Desinfektionsmittel und anderes – versorgt werden soll.

Wann genau die Lieferungen eintreffen, weiß sie nicht, zuletzt war von den kommenden Tagen die Rede. „Ich hoffe, dass das eher gestern als morgen geschieht.“ Sie hofft ferner, dass zunächst Kinder- und Hausärzte versorgt werden, außerdem Praxen mit Corona-Patienten und die Mobile-Test-Einrichtungen. „Jede Praxis kämpft täglich darum, Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel zu bekommen.“

In ihrer Praxis, sagt Blankenhorn, reiche der Vorrat noch für ein paar Tage. Am Dienstag haben sich zwei Kollegen bei ihr gemeldet, geschildert, dass sie noch für zwei Tage Material haben. „Ich konnte den Kollegen helfen und einen Tipp geben, wo sie noch was bestellen können.“ Vereinzelt habe man sich auch schon an Veterinäre gewandt, um Material kurzfristig zu verlagern. Blankenhorn betont, wie wichtig der Selbstschutz für Ärzte und deren Angestellte während der Behandlung ist, auch, um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten. Breche die weg, werde es für alle gefährlich.

Für die Zeit nach der Krise hofft die Ärztin und Vorsitzende der Kreisärzteschaft auf eine Diskussion darüber, was Gesundheit des Einzelnen und das Gesundheitssystem in Deutschland der Gesellschaft Wert ist. „Das gibt es nicht für umsonst“, sagt Blankenhorn.