Die Zukunft beginnt jetzt, also 2019. Spätestens 2020. Dann nämlich will das Uni-Klinikum mit dem ersten großen Bauabschnitt entlang der Albert-Einstein-Alle starten, dem in den darauffolgenden Jahren zwei weitere Bauphasen folgen. Das Ziel: Bis 2035 sollen die Kinder- und Jugendmedizin, die Frauenklinik und die Psychiatrie auf den Campus ziehen. Fachbereiche also, die derzeit auf dem Michelsberg, respektive auf dem Safranberg angesiedelt und damit fast sechs Kilometer entfernt sind von zentralen Einrichtungen des Klinikums. Beispielsweise von der Radiologie oder der Inneren Medizin.

„Auf dieser Basis ist interdisziplinäre Patientenversorgung nur sehr erschwert möglich“, sagt Prof. Udo Kaisers. Zumal die Patienten neben ihrer eigentlichen Hauptdiagnose oft mehrere Nebendiagnosen gestellt bekämen. „Moderne Medizin, also das Ineinandergreifen verschiedener Fachbereiche, erfordert die Konzentration der Kliniken auf dem Oberen Eselsberg“, so der Leitende Ärztliche Direktor.

Günzburg

Ziel 2035 – „ein sportlich-ambitionierter Zeitplan“, räumt Kaisers selber ein. Zu den Kosten würde er am liebsten schweigen. Mit annähernd einer Milliarde Euro dürfte das gesamte Vorhaben wohl zu Buche schlagen; allein der erste Bauabschnitt, der sich in östlicher Richtung an die neue Chirurgie anschließt, dürfte mit 400 Millionen Euro doppelt so teuer sein wie die 2012 eröffnete Klinik mit Bettenhaus.

Das Gebäude wird auch doppelt so groß – und deutlich höher. Fachleute wie Wilmuth Lindenthal sprechen von „verdichteter Masse“. Das heißt: Eine Nutzfläche von 110.000 Quadratmetern soll den Medizinern zur Verfügung stehen – umgerechnet sind das etwas mehr als 15 Fußballfelder. In diesen Komplex werden die Kliniken für Innere Medizin einziehen, ferner die HNO- und die Augenklinik und ein Teil der Neurologie (siehe Info).

Abriss wäre Wertevernichtung

„Ist die Innere Medizin umgezogen, wird die alte Klinik durchsaniert“, sagt der Leiter des Ulmer Amts für Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Dieser zweite Bauabschnitt wird mit 100 bis 120 Millionen Euro veranschlagt. Viel Geld für eine Sanierung? „Ein Abriss wäre aber Wertevernichtung“, so Lindenthal. Die Baustruktur sei noch gut, aber nicht mehr mit den Anforderungen des Brandschutzes und der Hygiene vereinbar. Künftiger Verwendungszweck: Dort soll die Psychiatrie einziehen.

Und der dritte Bauabschnitt? Wieder vorne an der Einstein-Allee, noch weiter in östlicher Richtung sieht der von Uni und Klinikum gemeinsam überarbeitete Masterplan einen Gebäudekomplex für die Kinder- und Jugend- sowie für die Frauenklinik vor. Kosten: 300 Millionen Euro. Macht alles in allem rund 800 Millionen Euro. Angesichts der jährlichen Preissteigerung in der Bauindustrie von sechs Prozent, sei die Milliarde bald erreicht, rechnet Lindenthal vor.

Der von Kaisers avisierte Zeitplan sei nicht zu halten. „Der Architekten-Wettbewerb ist frühestens 2020 möglich, die Planungen selber dauern zwei Jahre.“ Realistisch sei der Umzug der Kliniken im Jahr 2040, „vorausgesetzt die Mittel fließen kontinuierlich“.

Immerhin: Laut Lindenthal stehen für die Planungsvorbereitung 25 Millionen Euro im Nachtragshaushalt ’18/’19. „Das sieht gut aus, das Land unterstützt das Vorhaben.“

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Einziges Klinikum ohne Neurologie


Neurologie: Ein Uni-Klinikum ohne Neurologie? Gibt es nicht. Doch: das Klinikum Ulm. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, allerdings ein negatives“, sagt Prof. Udo Kaisers. Er hat seine Pläne, dieses Fachgebiet, das am von der Sana AG geführten RKU verankert ist, ins Klinikum umzusiedeln, noch nicht aufgegeben. „Wir versuchen, uns mit der Sana abzustimmen. Die Neurologie ist wichtig für die Strategie der Uni-Medizin.“ Zum Hintergrund: Sana und Klinikum halten jeweils 50 Prozent am RKU.

Hoher Bedarf an Pflegekräften


Mangel Die Zahl der Pflegekräfte bezeichnet Prof. Udo Kaisers mit 950 zwar als konstant, „aber wir brauchen dringend Personal. Uns gelingt kein signifikanter Aufbau. Das ist problematisch“, sagt der Leitende Ärztliche Direktor. Trotz Anwerbungsversuchen im Ausland, trotz Übernahme von Absolventen der Akademie für Gesundheitsberufe sei es nicht möglich, die Fluktuation und die demographisch bedingten Abgänge zu kompensieren. Wie viele Pflegekräfte fehlten, wollte Kaisers auf Anfrage nicht sagen.