Am Montagnachmittag, 17 Uhr: sein letzter öffentlicher Auftritt als Uni-Präsident. Karl Joachim Ebeling hatte es sich nicht nehmen lassen, zwei, wie er sagte, "außergewöhnliche Persönlichkeiten" zu ehren, obwohl die unterschiedlichen Terminpläne nur schwerlich unter einen Hut zu bekommen waren. Aber: Es klappte denn doch. Und so stand Ebeling letztmals in offizieller Mission in einem vollen Hörsaal, um Lothar Kinzl und Carmen Stadelhofer mit der Medaille der Universität Ulm auszuzeichnen. Als "zwei Protagonisten, die der Uni den Stempel aufgedrückt haben", würdigte er den Chirurgen und Sprecher des Musischen Zentrums sowie die langjährige Geschäftsführerin des Zentrums für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung (Zawiw). Es sei ihm ein Anliegen gewesen, diese Medaillen zu verleihen, sagte Ebeling und gab an die beiden Laudatoren weiter, nicht ohne in Richtung Stadelhofer noch festzustellen: "Dass Sie mal Ruhe finden, kann ich mir nicht vorstellen."

Zawiw-Sprecher Otmar Marti bezeichnete die 68-Jährige als Synonym für wissenschaftliche Weiterbildung. Sie habe die Beziehung zwischen der Stadt und der Uni mit Leben gefüllt, zunächst mit der Frauenakademie (1987-1994), dann mit großem Engagement und persönlichem Einsatz als Geschäftsführerin des Zawiw (1994-2013). Ihren Forschungsschwerpunkt - die Weiterbildung von Menschen im dritten Lebensalter - habe sie mit "Pioniergeist, strategischem Weitblick und außerhalb der stark begangenen Pfade" verfolgt. Carmen Stadelhofer sei ihrer Zeit weit voraus gewesen, sagte Marti. Er, der sie lange Jahre am Zawiw begleitet hatte, bescheinigte ihr eine gewisse Sperrigkeit, aber auch ein großes Herz und viel Organisationsgeschick - unabdingbare Voraussetzungen, um das Zawiw als "Kompetenzzentrum für Lernen im Alter" überregional bekannt zu machen.

Der Unfallchirurg Lothar Kinzl habe sich in zweierlei Hinsicht für die Uni verdient gemacht, betonte Vizepräsident Ulrich Stadtmüller: Als aktiver Virtuose mit Pinsel und Skalpell verkörpere der 71-Jährige sowohl die musische als auch die chirurgische Kunst in hervorragender Weise. Stadtmüller rühmte ihn als "begnadeten Operateur mit goldenem Händchen", der immer den Patienten zugewandt gewesen sei. Was dazu führte, dass der Mediziner oft "selbstlos" in Krisengebieten humanitäre Hilfe geleistet habe.

Kinzl, der von 1990 bis 2007 Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie war, wurde nicht nur für sein Geschick am Operationstisch ausgezeichnet. Der Mediziner hat sich nach seiner Emeritierung viele Jahre lang für das Musische Zentrum und somit die künstlerischen Aktivitäten der Universität Ulm engagiert. Er hat den Skulpturensommer im Botanischen Garten, Musische Tage im Stadthaus und den Kunstpfad mitgeprägt. Nicht zuletzt hat Kinzl die Niki-Figur am Nordeingang der Uni erfolgreich operiert.