Ulm / JR  Uhr
Drei Dinge mit Matthias Burger. Er ist seit 2001 Vorsitzender des Förderkreises Bundesfestung. Der Physik-Lehrer ist verheiratet und hat drei Kinder.

Drei Dinge, die man beim Tag der Festung am kommenden Sonntag unbedingt gesehen haben muss.
MATTHIAS BURGER: Man muss mit dem Spatzenbähnle gefahren sein (ob es den Michelsberg hoch schafft?), Napoleon am Kienlesberg erneut siegen gesehen haben und zur Abwechslung mal im Fort Albeck bei den echten Ulmer Festungsbienen vorbeigeschaut haben.

Drei Dinge, die bei der Bundesfestung immer wieder überraschen.
Dass sie so groß ist, dass es niemand gibt, der jemals schon in allen existierenden Räumen war. Auch wenn manche davon träumen. Apropos träumen: Dass es immer noch Leute gibt, die glauben, dass ein Geheimgang von der Wilhelmsburg zum Münsterplatz führt. Und natürlich ganz real die schlichte und doch schöne und handwerklich vollendete Architektur.

Drei Dinge, die bei der Arbeit mit der Festung vor allem Spaß machen.
Zu zweit an Grabenmauern mörteln. Zu dritt den Balkenmäher über die Wallflanken ziehen. Zu achtzigst ein Festungswerk von Müll und Schutt befreien.

Drei Gründe, warum die Bundesfestung für Ulm und Neu-Ulm so wichtig ist.
Weil man mit ihr durchaus in die Welterbeliste der UNESCO kommen könnte, wenn man wollte. Gemeinsam natürlich, und das ist das zweite: weil sie die Städte Ulm und Neu-Ulm verbindet. Genauer: auf Gedeih und Verderb bis heute aneinanderkettet. Verbindend auch in anderer Hinsicht: Die Festung ist generationenübergreifender Gemeinschaftsraum: über hundert Initiativen, Vereine und Gruppen sind in der Festung zuhause.

Drei Teile der Festung, die erst noch richtig entdeckt werden müssen.
Das Fort Albeck. Ja, es ist zehnmal größer als sein gut bekanntes Reduit. Die modernsten Teile der Festung: betoniert und gut versteckt im Wald. Die Forts auf dem Oberen Eselsberg. Mitten im pulsierenden Uni-Campus und doch ein weißer Fleck auf der Karte des universitären Geschehens.

Drei Bauwerke der Festung, die es für den Fortbestand dringend nötig haben.
Das Fort Albeck. Schlimm sieht's aus - doch kriegt man sogar das wieder hin. Was am Oberen Kuhberg privat möglich war, sollte im Fort Albeck der Stadt Ulm doch auch gelingen. Dann das Blaubeurer Tor. Wenn man nicht bald was unternimmt, fällt dieses Wahrzeichen mitten im tosenden Verkehr auseinander. Drittens das Fort Unterer Kuhberg. Wenn man nur Dächer auf den Mauern hätte und die Müllkippe aus den Gräben rausschaffen könnte! Interessiert sich denn keiner für Altlastenbeseitigung? Und viertens. . .

Drei Orte in Ulm und Neu-Ulm, wo die Festung im Weg ist.
Beim Ehinger Tor führt der Weg mittendurch, beim Donauturm dran vorbei und das Fort Oberer Eselsberg ist weit weg. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Drei Festungsanlagen andernorts, die es mit der Ulmer aufnehmen können.
Man fahre nach Koblenz zur Besichtigung der Feste Ehrenbreitstein (vergleichbar Erbauungszeit Bundesfestung) oder nach Thorun in Polen und bestaune die Forts (vergleichbar den neueren Forts Oberer Eselsberg). Für einen Blick auf noch modernere Forts besichtige man Amsterdam (Niederlande). Wem das zu weit ist, der bleibe hier und besichtige das Naheliegende.

Drei Ecken der Bundesfestung, die Ihnen besonders gefallen.
Ecken? Nun, die rechte Wall-Ecke des Fort Oberer Kuhberg mit Blick zum Münster ist unübertroffen. Dann die Secondeflanke am Gaisenberg. Eine irgendwie romantisch verklärte Ecke. Die schärfste Ecke ist aber die Spitze der Unteren Donaubastion mit ihrem unerreichten 61 Grad-Winkel.

Zur Person Matthias Burger (43) ist seit 2001 Vorsitzender des Förderkreises Bundesfestung. Der Physik-Lehrer ist verheiratet und hat drei Kinder.