Mathegene statt Pickelcreme

Nina Ender bei einer Performance im Stadthaus. Archivfoto
Nina Ender bei einer Performance im Stadthaus. Archivfoto
CLAUDIA ROTH 05.07.2012
Fehlgeburten, schwerbehinderte Kinder - die Antwort: Präimplantationsdiagnostik. Nina Ender nimmt in ihrem Stück "Pidkid.de" die Kindersicht ein.

Mark und Moritz sind eigentlich zwei ganz normale Brüder. Das ändert sich an dem Tag, als Moritz erfährt, dass sein kleinerer Bruder Mark ihm mit einer Knochenmarkspende das Leben gerettet hat. Ständige Schuldgefühle, Konflikte und Eifersucht sind nun an der Tagesordnung. Moritz loggt sich bei pidkid.de ein, einem sozialen Forum für Kinder und Jugendliche, die von Präimplantationsdiagnostik betroffen sind. Dort lernt er Sophie und ihre Geschichte kennen.

Darum geht es im Kern des Theaterstücks "pidkid.de". Das will die in Ulm aufgewachsene, in Berlin lebende Autorin Nina Ender (32) im Rahmen des Projekt-Stipendiums, das sie bei der Vergabe des Jugendtheaterpreises Baden Württemberg erhalten hat, entwickeln - in Zusammenarbeit mit dem Theater Ulm. "Ich fühle mich mit Ulm verbunden und möchte das Projekt deswegen auch dort realisieren", sagt Nina Ender.

Präimplantationsdiagnostik ist seit etwa einem Jahr legal in Deutschland und soll vor allem eine Lösung für Paare sein, die schon Totgeburten oder Fehlgeburten hatten, schwerbehinderte Kinder oder kranke Kinder haben, die einen Knochenmarkspender brauchen.

Im Stück "Pidkid.de" liegt der Fokus aber nicht auf den hilfesuchenden Eltern, sondern auf dem Blickwinkel der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Was bedeutet es für diese Kinder, wenn sie irgendwann mitbekommen, wie sie entstanden sind? Sind sie überhaupt richtig so, wie sie sind? Wie fühlt es sich an, als beste Option von vielen Embryonen ausgewählt worden zu sein? Lebe ich nur, weil ich meinem Bruder Knochenmark spenden sollte?

Das Stück spielt im Jahr 2026, wenn die ersten Pidkids 14 Jahre alt sein werden. Also in einem Alter, in dem bei Jugendlichen die Suche nach sich selbst beginnt. "Mir ist es wichtig, nicht über die Jugendlichen hinwegzuschreiben", kommentiert Nina Ender.

Deswegen wird sie verschiedene begleitende Workshops und Schreibwerkstätten mit Schülern aus Ulm und Neu-Ulm abhalten, die Einfluss auf die Entwicklung des Stücks und auf die Figuren haben sollen. Dabei wird beispielsweise ein Profil für die fiktive Plattform "pidkid.de" erstellt oder mit klassischen Dramenstoffen wie Wedekinds "Frühlings Erwachen", Bibelpassagen oder Märchentexten ein Zugang zu aktuellen Konflikten geschaffen.

Nina Enders Projekt soll innerhalb von zwei Jahren verwirklicht werden. Einen Premierentermin gibt es noch nicht.