Ein Fünftklässler stand dieser Tage im Sekretariat des Schubart-Gymnasiums, ein Junge, der seine ersten Tage an der neuen, großen Schule erlebt. Mit bebender Stimme fragt er, wo seine Mitschüler seien. „Nicht im Klassenzimmer?“, fragt die Sekretärin. Der Junge verneint, Tränen kullern. „Mach’ dir nichts draus. Das ist uns allen schon passiert“, tröstet Schulleiterin Martina Lutz, die das Ganze mitbekommen hat. Damit lebt sie das, was ihr wichtig ist: Offenheit. Im Team, im Umgang mit Lehrern, mit Schülern. So sei sie am Schubart auch empfangen worden.

Martina Lutz ist seit dem 1. August  Schulleiterin am Schubart und Nachfolgerin von Hans-Jürgen Sponsel. Die 56-Jährige war zuvor 16 Jahre lang Lehrerin am Humboldt-Gymnasium für Deutsch und Geschichte- Außerdem war sie dort acht Jahre lang Abteilungsleiterin und somit für die Schulentwicklung mit zuständig.

 Geboren wurde Martina Lutz in Trier. In Mannheim und Baden-Baden ist sie zur Schule gegangen, in Stuttgart hat sie dann Deutsch und Geschichte studiert. Das Referendariat hat sie absolviert, zu einer Zeit, in der klar gewesen sei,  dass „ich mit meinen Fächern nie eine Anstellung finden werde“. Doch Lutz wollte eine Berufsausbildung haben. Und: „Ich wollte Lehrerin werden, schon seit der Grundschule.“ Was natürlich an ihrer Grundschullehrerin gelegen habe, nämlich an „Frau Schwemm, eine tolle Lehrerin“.  

Nach dem Referendariat fand Martina Lutz tatsächlich keine Anstellung und entschied sich, eine Ausbildung zur Lektorin zu beginnen. Bis ihr Mann Bernhard Lutz, Architekt, vom amerikanischen Architekten Richard Meier ein Angebot erhielt, in New York zu arbeiten. Er sagte zu, seine Frau ging mit. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Übersetzerin in der Ständigen Vertretung Deutschlands bei den UN New York.

Dann wurde das Stadthaus in Ulm hochgezogen, ein Meier-Bau. Bernhard Lutz war damit betraut, das Paar siedelte nach Ulm um, bekam drei Kinder. „Dann war ich erst mal Mama.“ Von 1997 bis 2000 hat sie, bei er Stadt angestellt, Deutsch als Fremdsprache gelehrt, vor allem türkischen Frauen im Mädchen- und Frauenladen „Sieste“.

Plötzlich haben Gymnasien dann wieder Deutsch- und Geschichtslehrer gesucht: „Die Tür hat sich wieder aufgetan.“ Zunächst war sie zwar nur Vertretungslehrerin, „aber ich war glücklich, dass ich unterrichten darf“. Mit 40 habe sie „überhaupt erst richtig angefangen“. Eine feste Anstellung am Humboldt-Gymnasium ergab sich schließlich.

Angesichts des Lebenslaufs kein Wunder, dass sie nach dieser Philosophie lebt: „Alles kommt zur rechten Zeit.“ Wie die Schulleiter-Stelle am Schubart. Schon jetzt lobt sie „die vielen engagierten Lehrer, die hier im Sinne der Schüler arbeiten“.

Für den Gemeinsinn wurde viel an der Schule getan, sagt Martina Lutz. Eine Maxime, die ihrem Vorgänger Hans-Jürgen Sponsel wichtig war, formuliert Lutz so: „Allein bin ich wenig. Ich soll mich in die Gemeinschaft einbringen.“ Das merke sie an Projekten wie der aktiven Schülermitverantwortung und das sei auch ihr, der neuen Chefin, wichtig.

Das Schubart

Schüler Aktuell besuchen 810 Kinder und Jugendliche das Schubart-Gymnasium an der Inneren Wallstraße im Dichterviertel. Die Schule ist vierzügig, bietet ein naturwissenschaftliches und ein sprachliches Profil sowie einen bilingualen Zug an.