Als SPD-Kanzlerkandidat und -Parteichef hat Martin Schulz einen tiefen Sturz erlebt. Seine Leidenschaft für Europa ist ihm geblieben. Im Neu-Ulmer Konzertsaal trat der 63-Jährige am Donnerstag vor etwa 70 Interessierten mit Vehemenz für eine soziale Europäische Union ein.

„Die Europawahl im Mai ist eine Richtungswahl“, sagt Schulz. Denn jetzt gehe es darum, Europa nicht jenen zu überlassen, die es zerstören wollen. Populisten, wie Marine Le Pen (Frankreich), Italiens Innenminister Matteo Salvini oder AfD-Chef Alexander Gauland dürfe es nicht gelingen, die Demokratie in Europa zu untergraben. „Die Verkürzung komplexer Probleme auf einzelne Sätze, die den Bauch ansprechen, darf nicht unterschätzt werden.“ Dieser Mechanismus habe Europa schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Krieg, Terror und Rassismus geführt.

Video Martin Schulz zur Bedeutung der Europawahl am 26. Mai 2019

Europa muss sozialer werden

„Ich will nicht sagen, dass Europa keine Fehler hat“, sagt Schulz. Bürokratische und intransparente Züge habe die Europäische Union. Sie müsse sozialer werden. Aber: „Demokratie braucht Zeit. Wir leben aber in einer Epoche, in der es genau daran fehlt. Das ist ein Einfalltor für die Zerstörer.“

Am 26. Mai werde darüber entschieden, „welcher Geist im Europaparlament sitzt“. Hetzern und Nationalisten müsse man deshalb entgegentreten. Aus Sicht des Sozialdemokraten deutlich: „Auf einen groben Klotz gehört manchmal auch ein grober Keil.“

Eine Linie, die beim Polit-Frühstück des SPD-Stadtverbandes Neu-Ulm auch ein Gast zu spüren bekam, der sich zu einem Co-Referat aufschwang, das stark an AfD-Parolen erinnerte. Martin Schulz hielt es in dieser Sache mit einem Zitat des englischen Philosophen Edmund Burke: „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ Er entzauberte die Angriffe und erklärte die Zeit des Nichtstuns für beendet.

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