Politik Markus Kerber: Seehofers rechte Hand

Markus Kerber ist neuer Staatssekretär im Innenministerium.
Markus Kerber ist neuer Staatssekretär im Innenministerium. © Foto: Britta Pedersen/dpa
Ulm/Berlin / Michael Gabel 11.04.2018
Markus Kerber ist der neue Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Er kommt aus Ulm.

Den Schwaben kann der gebürtige Ulmer Markus Kerber schon mundartlich nicht verleugnen. Und der 54-Jährige, der jetzt als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium gewechselt ist, nutzt sein Sprachorgan auch gern und häufig. Zwischen seinen Führungskollegen unter Minister Horst Seehofer (CSU), allesamt Berufspolitiker oder hohe Beamte, ist er ein Exot.

Und das nicht nur wegen seines Berufsweges. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler und große Motorradfan arbeitete zehn Jahre lang als Investmentbanker für S.G. Warburg und die Deutsche Bank in London, bevor er 1998 in den Vorstand eines Finanzdienstleisters in Stuttgart berufen wurde.

Den Stallgeruch des Bundes­innenministeriums nahm er erst später an. Von 2006 an leitete er dort unter Minister Wolfgang Schäuble (CDU) die Abteilung Grundsatzfragen und Internationale Analysen. 2009 nahm ihn der Minister als einzigen Abteilungsleiter mit ins Finanzministerium, wo Kerber für finanzpolitische und volkswirtschaftliche Grundsatzfragen verantwortlich war.

Der Vater von vier Kindern liebt allerdings die berufliche Abwechslung. Leute aus seinem Umfeld beschreiben ihn als klug und als jemanden, der sich für Dinge schnell begeistern kann. „Aber wenn es ihm reicht, dann geht er auch“, hört man. Seine finanzielle Unabhängigkeit und seine Neugier auf Herausforderungen haben ihm dabei immer geholfen. 2011 warb ihn der damalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, ab und holte ihn in die Wirtschaft zurück.

Zwischenstation beim BDI

Kerber wurde BDI-Hauptgeschäftsführer und sollte dem Verband in dieser Position wieder Durchschlagskraft verleihen. Sein Trumpf waren sein einnehmendes Wesen und seine rhetorische Stärke. Ex-Mitarbeiter erinnern sich, dass er mühevoll ausgearbeitete Vorbereitungsunterlagen gern auch mal einfach zur Seite legte und sein Publikum mit seiner Belesenheit und Erfahrung in den Bann zog.

Auch wenn er anfängt, von Ulm zu schwärmen, reiht sich Gedanke an Gedanke, von privat bis historisch. „Mit meiner Heimatstadt Ulm verbinde ich eine glückliche Kindheit“, beginnt er. Der Schwörmontag ist ihm in Erinnerung geblieben, der die „Gesinnung einer ehemaligen freien Reichsstadt“ widerspiegele. Ihm kommt noch viel mehr in den Sinn: „der widerständige Geist der Ulmerin Sophie Scholl, das Hans-und Sophie-Scholl Gymnasium, die Nähe zu den Alpen und Italien, die Verbundenheit der Donauanrainer von Deutschland bis Rumänien und natürlich meine Familie.“

Obwohl Kerber seit vielen Jahren in Berlin arbeitet, hat er die Verbindung zu seiner Heimat nie verloren. „Städte wie Ulm repräsentieren das Alltagsleben in Deutschland besser als Berlin“, ist er überzeugt. „Ich lebe gern in Berlin, aber ich komme immer wieder sehr gern nach Ulm zurück.“, sagt er. Und: „Meine Schwester und ihre Familie versuche ich regelmäßig zu besuchen.“

Der neue Staatssekretär hat nie die breite Öffentlichkeit gesucht. Das Rampenlicht überließ er in seiner BDI-Zeit dem Präsidenten – damals Ulrich Grillo. Kerber ist ein Pragmatiker, der sich nicht mit ideologischen Überlegungen aufhält. Mit dieser Einstellung ging er auch die Flüchtlingskrise an, die er eher als Chance für die Wirtschaft sah denn als Belastung. Mit parteipolitischen Äußerungen fiel der Christdemokrat nie auf.

Vor zwei Jahren wurde bei ihm ein Tumor diagnostiziert. Dies war einer der Gründe, warum er ankündigte, sich mehr Ruhe gönnen zu wollen, und Ende März 2017 bei dem Industrieverband ausschied. Er wolle sich „wieder unternehmerisch in der IT-Industrie betätigen“, hieß es damals. Kerber stieg als Manager und Investor bei Featvre ein, einer Online-Plattform für Dokumentarfilme in Potsdam-Babelsberg. Nun erwartet ihn die Herausforderung, das neu zu gestaltende Ministerium des Innern, für Bau und Heimat mit aufzubauen. Für einen wie Kerber dürfte das genau die richtige Kragenweite sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel