Fernsehen Marius Fischers Weg zum Film

Hat ehrgeizige Pläne: Marius Fischer.
Hat ehrgeizige Pläne: Marius Fischer. © Foto: Volkmar Könneke
Westerheim / Magdi Aboul-Kheir 27.07.2018

Die Fernsehsendung, für die Marius Fischer arbeitet, ist fast so alt wie er. 1997 wurde der „Quatsch Comedy Club“ erstmals  ausgestrahlt, da war Fischer vier Jahre alt. Heute ist er der Cutter der Sendung, die mittlerweile auf Sky läuft – und das ohne Ausbildung. Denn Fischer ist einer, der etwas wagt.

Er kommt aus Westerheim, hat in Laichingen Abitur gemacht, danach eine Lehre als Veranstaltungskaufmann begonnen, „aber das war nichts für mich“. Seine Liebe gehört von klein auf der Performance, dem Film. Er spielte Schultheater, mit 13 fing er an, Videos zu drehen, „ein bisschen Comedy, ein bisschen ,Jackass‘“. Mit 16 begann er, „so richtig“ zu fotografieren. Seine ersten professionellen Jobs waren Fotos und Videos für den Ulmer Shop „Fifty-Eight Skate Snow Surf“.

Kurz nach seinem 18. Geburtstag, noch während des Abiturs, meldete er bereits seine eigene Film-Firma an. Nach dem Lehrstellen-Intermezzo drehte er Auto-Tuning-Videos, die sich gut verkauften, 2015 folgte sein erstes Musikvideo: für die Ulmer Heavy-Pop-Punk-Band City Kids Feel The Beat.

Es geht um Rhythmus

Und dann las er auf der Filmbranchen-Plattform Crew United die Stellenausschreibung für ein nicht näher benanntes Comedy-Projekt in Berlin. In fünf Minuten schrieb er eine Bewerbung runter („die sah auch so aus“) – und bekam rasch eine Antwort: Ob er in zwei Tagen nach Berlin kommen könne? Er konnte. Und erfuhr, dass es um den  „Quatsch Comedy Club“ ging. „Von der Sendung hab ich schon als Kind die Sonntagsmorgen-Wiederholungen gesehen!“

Marius Fischer ließ sich ins kalte Wasser werfen. Rückblickend findet er sein damaliges Können „grausam“, er hatte „eigentlich gar keine Ahnung von Schnitt“. Aber er lernte schnell, erwies sich als gleichermaßen ehrgeizig wie zuverlässig. In den Augen der Produzenten war er „einer der wenigen, die Comedy schneiden können“. Und daher hat er den Job noch immer. Er ist mittlerweile Mitglied im Bundesverband Filmschnitt.

Beim Schneiden einer Comedy-Sendung geht es um Timing, um Rhythmus, sagt Fischer, „man muss intuitiv erkennen, wie der Humor eines Künstlers funktioniert“. Dieter Nuhr bevorzuge etwa lange Einstellungen und lange Blicke in eine Kamera, andere Comedians setzen auf Tempo, sind hektisch, mit lebendiger Gestik und Mimik. Fischers Favoriten sind Johnny Armstrong und Ingmar Stadelmann.

Schnitt ist schön und gut, aber Marius Fischer hat keine Scheu zu sagen, dass er größere Ziele hat: „Regie führen, in den USA internationale Filme drehen.“ An den deutschen Filmhochschulen wurde er abgelehnt, so bewarb er sich bei der New York Film Academy, in der Zweigstelle Los Angeles. Und siehe da, er bekam ein talentbasiertes Stipendium. 2019 geht er nun, zunächst für ein Jahr, nach Kalifornien. Er hat ein Studentenvisum, aber auch gute Chancen auf eine Künstler-Green-Card.

Das kam so: Fischer arbeitete an einem Video des Puppenspielers René Marik mit und ließ sich von einem erfahrenen Hollywood-Coloristen in die Kunst der Farbkorrektur einlernen. Und da er mit dem Farbkorrektur-Programm DaVinci Resolve so gut zurecht kam, ist er nun erster deutscher und jüngster Repräsentant des Herstellers Blackmagic – genau so ein Fach-Credit kann ihm nun eine Künstler-Green-Card verschaffen.

In diesem Sommer arbeitet Fischer bereits an zwei amerikanischen Filmproduktionen mit, und er weiß, wohin er will: „Ich will etwas erschaffen, was Menschen bewegt und interessiert.“ Dafür sei auch vielfältiges praktisches Wissen sehr wichtig. „Ich hab auch schon Kabel getragen“, erzählt er, „es gibt beim Film so viele Leute in führenden Positionen, auch Produzenten und Regisseure, die von der Filmhochschule kommen, aber kaum Ahnung von der Praxis haben.“

Praktische Erfahrungen könne man gar nicht zu viele haben. So war Fischer mehrfach für den Schnitt der Echo-Gala zuständig. Auch beim diesjährigen Eklat. Die Stimmung sei hinter den Kulissen angespannt gewesen, sagt er, man habe da schon lange Gesichter gesehen, „aber dass dann kurz darauf der Preis abgeschafft wird, damit hat keiner gerechnet“. Marius Fischer wird das von seinem Weg nicht abbringen.

Wo man Film studieren kann

Marius Fischer geht seinen ganz eigene Weg ins Filmgeschäft. Aber natürlich kann man auch auf Filmhochschulen studieren. In Deutschland gibt es neun Einrichtungen, die im internationalen Filmhochschulverband CILECT anerkannt sind, darunter die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, die Hochschule für Fernsehen und Film München, die Filmuniversität Babelsberg und die Hamburg Media School.

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