Schutzkleidung? Gibt es nicht. „Das ist schon länger ein spannendes Thema“, sagt Franziska Utzinger, die in Nersingen, Burlafingen und Pfuhl Apotheken betreibt. Nicht viel besser ist die Lage bei den Desinfektionsmitteln. Da viele Privatpersonen Sterillium und Co. literweise horteten, kämen die Hersteller mit der Produktion nicht nach. „Seit Ende Februar ist Sterillium praktisch ausverkauft“, sagt Utzinger. Aktuelle Lieferzeit: bis zu sechs Wochen.

Grundstoffe für Desinfektionsmittel nur schwer zu bekommen

Wegen des Engpasses dürfen Apotheken in Deutschland seit Anfang März Desinfektionsmittel nach einem Rezept der Weltgesundheitsorganisation (WHO) selbst herstellen. Nun hat das Rennen um die notwendigen Grundstoffe begonnen, die ihrerseits zur Mangelware werden. Utzinger hatte den richtigen Riecher: „Ich habe bereits vor der Freigabe die notwendigen Zutaten bestellt“, sagt sie. Seither produziert sie Desinfektionsmittel, seither kann sie sich vor Anfragen kaum retten. „Ich habe Ärzte, die sagen, ich habe gar nichts mehr, ich muss sonst zumachen“, erzählt sie. Erst kürzlich habe die Stadt Neu-Ulm für ihre Feuerwehr 100 Liter Desinfektionsmittel bei ihr geordert.

Apotheker suchen „über alle Kanäle“

Isopropanol und Ethanol, die Grundstoffe für die Herstellung von Desinfektionsmitteln, sind aber kaum mehr zu bekommen. „Ich habe Kollegen, die mittlerweile mit Schnapsbrennereien zusammenarbeiten“, sagt Utzinger. Was sonst zu feinem Gin veredelt würde, werde in diesen Tagen zu Desinfektionsmittel verarbeitet. Auch sonst suchten die Apotheker „über alle Kanäle“: im Internet, über den Chemiegroßhandel, über Autozulieferer. Franziska Utzinger hatte jüngst wieder Glück, ist versorgt. Und stieß prompt auf das nächste Problem: „Es gibt derzeit keine Gefäße, in die wir unser Desinfektionsmittel abfüllen könnten.“

Ikea liefert Sprühflaschen

Die Lösung fand sich auf unerwarteten Wegen – bei Ikea. Die Ulmer Niederlassung des multinationalen Einrichtungskonzerns bestellte für Utzinger eine größere Menge Sprühflaschen, die eigentlich für die Benetzung von Grünpflanzen mit Wasser gedacht sind. „Großartig, wie alle zusammenhelfen“, findet die Apothekerin. Auch sie will ihren Beitrag leisten: „Wucherpreise gibt es bei mir nicht.“ Utzinger gibt ihr Desinfektionsmittel für 6,95 Euro pro 100 Milliliter ab.

Einige Ältere kommen mehrmals am Tag

Eines bereitet ihr allerdings Sorgen: „Neben Baumärkten scheinen unsere Apotheken das neue Einkaufserlebnis zu sein“, hat sie beobachtet. Vor allem ältere Kunden kämen mitunter mehrmals am Tag. „Dann komme ich wenigstens raus“, sagten sie.

Eigentlich müsste niemand kommen. Utzinger hat einen Lieferdienst eingerichtet; Ärzte schicken Rezepte direkt in die Apotheke, diese bringt die Medikamente zum Kunden. Ebenso sei eine telefonische Bestellung möglich. „Die Leute kommen trotzdem zu uns. Sie wollen kommen“, sagt sie. Das sei zwar auf eine Art verständlich, aber extrem unvernünftig.