Schwörmontag 2018 Nabada: Mangels Strömung eher ein Naschleicha

Ulm/Neu-Ulm / Edwin Ruschitzka 24.07.2018
Das Spektakel auf der Donau zieht sich in diesem Jahr arg in die Länge. Weil der Fluss keine Fahrt aufnimmt.

Eine Donau, die an diesem Schwörmontag eher vor sich hin dümpelt als fließt, dazu kurz nach dem Start auf Höhe des Metzgerturms auch noch ein havariertes mehrstöckiges Floß, das für einen satten Stau, einen Einsatz der Wasserpolizei und Umwege auf dem Fluss sorgt. Das diesjährige Nabada ist eher langatmig, um nicht zu sagen: Es ist zäh.

Ja, doch. Es ist wieder proppenvoll auf der Donau, vor allem wenn sich die wilden Nabader, wie immer ausgelassen um sich herum spritzend, auf allen möglichen schwimmbaren Untersätzen den Fluss hinunter treiben lassen. Aber gegen Ende, so nach gut 80 Minuten, wird es einigen Zuschauern beispielsweise auf dem Neu-Ulmer Schwal dann doch zu langweilig. Sie verlassen das Ufer, suchen Stärkung im rückwärtigen Bereich. Die Wiese dort um die Buden und die Bühne herum ist kaputt, des schlechten Wetters am Sonntag wegen.

13 Themenschiffe sind unterwegs. Die ersten haben Glück, weil man sie gut sehen kann. Die meisten aber tun sich im Getümmel der wilden Nabader recht schwer, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. In diesem Jahr gibt es Licht, aber auch Schatten. Viel Schatten sogar. Sprich: Einigen Themen-Schiffen fehlt es zuweilen an Originalität, an Witz. Sie wirken brav und bieder, sind alles andere als frech, vor allem, wenn das lokale Geschehen karikiert wird. Da gehört der Neu-Ulmer OB als Lügenbaron Gerold von und zu Noerenberg, der auf der Kanonenkugel reitet, schon zu den Ausreißern nach oben. Die Narrenzunft Ulm nimmt damit die Bomben-Stimmung in Neu-Ulm aufs Korn und die damit einhergehenden Evakuierungen. Das passt.

Kapitän Czisch sucht Land

„Ulmer Runde – die spinnen!“, nennt die Schule für Ergotherapie aus Dornstadt ihr Schiff. Rund ums Münster, dessen Spitze schon zornesrot angelaufen ist, liefern sich Raser und die Polizei ein Wettrennen. Mit „Bundesfestung 4.0“ widmet sich der Unabhängige Studierendenausschuss (UStA) dem Umbau und Aufstocken des ehemaligen Kriegsspitals in Neu-Ulm. Auf das alte Gemäuer wird ein moderner Neubau gesetzt. Die Botschaft dahinter bleibt etwas unklar.

„Land in Sicht“ heißt es bei der Justizvollzugsanstalt Ulm, die den Ulmer OB Gunter Czisch wie einen Kapitän auf eine Schachtel setzt, der im Schildermeer und zwischen Betonmischmaschinen seinen Blick in die Ferne richtet. Das Bundeswehrkrankenhaus und die Uni-Strahlenklinik lassen die Wilhelmsburg aufblühen und freuen sich auf die Landesgartenschau 2030.

Gleich zwei Schiffe widmen sich dem Insektensterben, eines dem Fischsterben in den von Müll verschmutzten Meeren. Die „Datenkrake Nimmersatt“ taucht auf, die neuen Datenschutzrichtlinien oder die Netzgeschwindigkeit, beziehungsweise -trägheit spielt auch eine Rolle. Da telefoniert der Mann im Mond offenbar schneller als der Bauer auf der Alb.

Der eingangs erwähnte Unfall mit gekentertem Floß ist glimpflich abgelaufen. Die Bruchstücke werden erst gegen 18.30 Uhr vom Technischen Hilfswerk in Richtung Friedrichsau abgeschleppt. Wie es beim Nabada ansonsten auch keine Auffälligkeiten gab. Das sagt zumindest die Polizei.

Welche Fähre ist die beste?

Abstimmung Welches Themenschiff war beim Nabada das originellste? Das können unsere Leser bis heute, 16 Uhr, per Stimmzettel entscheiden, der in unserer Geschäftsstelle in der Frauenstraße in Ulm abzugeben ist. Die Online-Abstimmung läuft dagegen bis 18 Uhr: swp.de/boot

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