Man muss das Positive sehen

Blumen für Norbert Nohé (links ) bei der Feier zum 55-jährigen Bestehen des von ihm gegründeten Jugendorchesters Baden-Baden. Foto: Gisela Brüning
Blumen für Norbert Nohé (links ) bei der Feier zum 55-jährigen Bestehen des von ihm gegründeten Jugendorchesters Baden-Baden. Foto: Gisela Brüning
HELMUT PUSCH 13.04.2013
Er leitete von 1974 bis 1987 die Ulmer Knabenmusik. Seit einem schweren Autounfall ist Norbert Nohé halbseitig gelähmt. Heute wird er 75.

Der 23. Juli 1987 veränderte das Leben von Norbert Nohé dramatisch. Auf der Fahrt zu einer musikalischen Ferienfreizeit wird der Leiter der Ulmer Knabenmusik, die heute Junge Bläserphilharmonie Ulm heißt, bei Clermont-Ferrand in Zentralfrankreich in einen Unfall verwickelt. Wochenlang liegt er im Koma, es ist unklar, ob der 49-Jährige überleben wird. Seither ist Nohé halbseitig gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Die Karriere als Dirigent ist beendet.

Seither hat der Vollblutmusiker, der neben seiner Dirigentenausbildung auch diplomierter Pianist ist, Cello, Horn und Klarinette spielte, nie wieder dirigiert. Ein Grund zur Bitterkeit? "Nein", sagt Nohé. Man muss immer auch das Positive sehen." Und so verkriecht sich Nohé nicht etwa. Im Gegenteil: Die Nohés nehmen regen Anteil am kulturellen Leben, besuchen Konzerte - nicht nur in Ulm, sondern auch in Baden-Baden oder München, freuen sich, wenn mal wieder einer der ehemaligen Musiker vor ihnen steht. "Auch wenn aus den Jungs längst Männer geworden sind, meinem Mann der Namen nicht gleich einfällt: Nach kurzem Überlegen, sagt er ihnen immer, welches Instrument sie gespielt haben", erzählt Norbert Nohés Frau Lilly.

Erfolg hatte der gebürtige Baden-Badener bis zu seinem Unfall reichlich. 1957 gründete er in seiner Heimatstadt das heute noch existierende Jugendorchester. 1962 wird er Ballettkapellmeister am Badischen Staatstheater Karlsruhe, 1969 wird er Kapellmeister in Ulm - dirigiert vorwiegend "leicht Verdauliches", was Nohé nicht gerade schätzte, und so wechselt der Musiker und begnadete Musikpädagoge 1974 zur Knabenmusik.

Mit jungen Musikern zu arbeiten, Talente zu entdecken, das habe ihm immer besondere Freude bereitet, sagt er. "Ich habe versucht, bis an die Grenze zu gehen, das Maximum herauszuholen, ohne die Buben dabei zu überfordern." Und das gelang Nohé offensichtlich. Denn mit der Knabenmusik war Nohé nicht nur auf internationalem Parkett erfolgreich, 1984 erhielt Nohé das Bundesverdienstkreuz. Vorgeschlagen hatten ihn seine Musiker und deren Eltern.

Auch wenn er nicht mehr dirigieren kann: Die Musik lässt ihn nicht los - als Konzertbesucher, aber auch als aktiver Musiker. Auch wenn die Linke gelähmt ist, mit der Rechten spielt Nohé am Klavier die Solostimmen von Violinkonzerten, der 2003 verstorbene Komponist Wolfgang Hoffmann schrieb für ihn zwei Sonaten für die rechte Hand. Und die Nohés planen auch, ein Horn so umbauen zu lassen, dass es einhändig gespielt werden kann.

Noch etwas gönnt sich Nohé regelmäßig: Besuche im Spielcasino Baden-Baden, wo er liebend gerne Roulette spielt - auch heute an seinem Geburtstag. Viel Glück.

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