Istanbul/Ulm Makbule Sadak aus Ulm bei Protesten in Istanbul verletzt

BRIGITTE SCHEIFFELE 03.06.2013
Seit einer Woche laufen nun die Proteste gegen den Umbau des Taksim-Platzes in Istanbul. Am vergangenen Wochenende ist die Ulmerin Makbule Sadak dabei von der Polizei attackiert und verletzt worden.

Die Ulmerin Makbule Sadak hat letzte Woche ihre Mutter in Istanbul besucht und sich am Freitag der Demonstration gegen den Umbau des Taksim-Platzes angeschlossen. „In den letzten Jahren hat sich Instanbul stark verändert. Grüne Plätze verschwinden, an jeder Ecke gibt es ein Einkaufszentrum, nun soll auch der Park am Taksim-Platz verschwinden. Seit einer Woche besteht sogar ein Alkoholverbot“, berichtet sie aufgebracht. Einige Restaurants rund um den Taksim Platz hätten keine Genehmigung mehr für den Ausschank erhalten. „Es wird immer schlimmer, und die Regierung zieht das Netz still und unmerklich an jedem Eck ein bisschen mehr zu, so, dass es erst einmal nicht auffällt.“

Die Demonstrationen seien anfänglich zwar eine lokale Kampagne gegen den Abriss des Gezi-Parks am Taksin-Platz gewesen, aber nun „ein Aufstand gegen Erdogan und sein System, seine zunehmend autoritäre und neoliberale Politik“. Friedlich seien sie gewesen, die Straßen überfüllt, als die Polizei in einem unverhältnismäßig gewaltsamen Einsatz gegen die Menschen vorgegangen sei: „Sie sind direkt mit Tränengas auf uns los. Ein brutaler Einsatz. Leute die geflüchtet sind, haben sie noch verfolgt. Ich habe einen Strahl abbekommen und bekam Atem- und Herzprobleme, sah nichts mehr, war fast bewusstlos wie einige andere auch. Leute haben mich geschoben und gestützt und brachten mich in die Deutsche Klinik am Taksim-Platz.“ Freundlich habe man ihr und anderen Demonstranten dort geholfen, Wasser verteilt, Erste Hilfe geleistet.

„Es gab unglaublich viele Verletzte. In einem Café haben sie die Verletzten rausgeworfen und einfach die Türen geschlossen. Es war ein fürchterliches Chaos.“ Seither erholt sich Makbule Sadak bei ihrer Mutter, die auf der asiatischen Seite lebt. Nach draußen geht sie nicht, sie hat Angst: „Hier ist es zwar etwas ruhiger, aber die Menschen sind genauso auf der Straße, egal, ob Alt oder Jung. Auch in der Nacht auf Montag noch. Niemand kann mehr schlafen, die Bevölkerung ist aufgebracht. Die Lage ist angespannt.“

Die Ereignisse würden in Bildern und Videos per Handy und Twitter verbreitet. „Ich habe nicht geglaubt, wie brutal die Polizei vorgeht. Aber ich dachte wirklich, ich sterbe.“ Nächste Woche kommt Makbule Sadak, die seit 1974 in Ulm lebt, wieder nach Hause.