Pop Männer machen Musik

Macht auch als Sänger eine gute Figur: Uwe Ochsenknecht mit Gastgeber Joo Kraus.
Macht auch als Sänger eine gute Figur: Uwe Ochsenknecht mit Gastgeber Joo Kraus. © Foto: Udo Eberl
Ulm / Udo Eberl 29.10.2018

Kann der wirklich auch abendfüllend singen? Uwe Ochsenknecht, im deutschen Kino und TV dauerpräsentes Knautschgesicht, hat ohne Frage Soul in der Stimme und zudem auch den Beat in den Händen. Und er liebt die Herausforderung. Als Joo Kraus bei ihm anfragte, ob er einen „Herzstücke“-Abend in Ulm mitgestalten wolle, fragte er sich „verwechselt der mich vielleicht?“, zögerte aber nicht mit der Zusage. Schließlich steht er immer wieder als singender Frontmann auf der Bühne, der mit reichlich Charme punkten kann. So auch im einmal mehr ausverkauften Roxy, in dem es nicht wie zuletzt mit Max Mutzke als Sideman um große Vokalkunst ging, sondern, um die etwas andere, sehr unterhaltsame Samstagabend-Unterhaltung.

„Ihr wisst nicht, was auf Euch zukommt. Wir auch nicht“, scherzte Joo Kraus nach einem intensiven Probe-Nachmittag und deckte somit auch gleich die Karten auf. Klar, alle Akteure kannten die für den Konzertabend geplanten Songs und Arrangements bevor sie sich am Vormittag auf den Weg nach Ulm machten, doch unterm Strich war das ein gemeinsamer Intensiv-Trip inklusive diverser Sprünge ins kalte Sound-Wasser. Diese Herzstücke-Ausgabe basierte vornehmlich auf Soul-Klassikern, aber auch auf Rock- und Pop-Songs der 80er Jahre, bei denen sich die Band reichlich strecken musste, um aus deren Substanz live eine Perle zu machen.

Eingespielte Cracks

Die eingespielten „Tales In Tones“-Cracks Ralf Schmid am Flügel und Veit Hübner am Kontrabass hatten mit Oli Rubow einen großartigen und jederzeit entspannt aufspielenden Alleskönner am Schlagzeug an ihrer Seite. Genau richtig für den mit Uwe Ochsenknecht an den Congas sehr perkussiv geprägten Abend. „Kubanisch für Fortgeschrittene“ sozusagen. Vier Streicherinnen des Philharmonischen Orchesters sorgten für zusätzlichen Feinklang, umhüllten beispielsweise auch Michael Jacksons „Heal the World“ zartbesaitet. „Ein ganz klein wenig Friedensarbeit“ sei dieses Stück in diesen Zeiten, betonte Joo Kraus, der in Sachen Soul mit Ochsenknecht auf einer Welle reiten konnte. So wurde auch „Look any further“ vom Ex-Tempations-Sänger Dennis Edwards zum ersten Höhepunkt mit einem sehr starken Ochsenknecht am Mikrofon.

Das war an diesem Abend nicht immer so. Toto, Michael McDonald – da hat man prägnante Stimmen im Kopf. Auch in der Musik gilt schließlich: Man kann nicht jede Rolle füllen. Das überhörte man aber gerne, denn im Soul oder auf den Spuren von Van Morrison war der Schauspieler tatsächlich zuhause und im Santana-Kosmos sowieso. Da durften die Besucher auch das eine oder andere Schtonk-Gesicht im Gefecht des perkussiven Fiebers erleben.

Und natürlich sorgte auch Joo Kraus, wie immer nicht nur Spitze am Blech, sondern auch aufmerksamer Gastgeber, für echte Herzstücke-Momente. „The Working Week“ mit reichlich Schmiss, am Ende Reggae-Mitmach-Party und Soul-Sause.

Wieder einer dieser besonderen Herzstücke-Abende. „Wenn Ihr wiederkommt, dann machen wir das noch ein paarmal. Das Leben ist auch nicht mehr so lang“, verabschiedete Joo Kraus das Publikum, das längst stand. Wohlwissend: Es wird wieder kommen, denn die Herzstücke-Konzerte sind im wahrsten Sinne des Wortes einzigartig.

Mehr als nur ein Schauspieler

Musiker Mit seiner Band „The Screen“, zu der Ex-Musiker von Gary Moore und Manfred Mann gehören, ist Uwe Ochsenknecht (62) nun fast schon 30 Jahre live unterwegs  Vornehmlich als Schauspieler durch Filme wie „Das Boot“, „Männer“, „Schtonk!“ oder  „Warum Männer nicht zuhören…“ bekannt geworden, bewegt sich der gebürtige Hesse zwischen Soul, Blues und Rock ’n’ Roll und hat schon mehrere Alben veröffentlicht. udo

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