Wohnen Luxuswohnungen in Ulm und Neu-Ulm: Nur kein Neid

Die Insel in Neu-Ulm wird das erste große Immobilien-Vermarktungsprojekt des ehemaligen IT-Managers Oliver Schallhorn.
Die Insel in Neu-Ulm wird das erste große Immobilien-Vermarktungsprojekt des ehemaligen IT-Managers Oliver Schallhorn. © Foto: Volkmar Könneke
HANS-ULI THIERER 14.12.2013
Braucht das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm teure Immobilien mondänen Zuschnitts wie das Inselhaus in Neu-Ulm? Vorbehaltlos: ja! meint Hans-Uli Thierer. Warum, lesen Sie hier.

Neu-Ulm ist in Bezug auf Ulm und im Kleinen, was die Region Ulm/Neu-Ulm in Bezug auf die Metropolregionen Stuttgart/München und im Großen ist: Entlastungsraum.

Speziell gilt dies für den Wohnungsmarkt, auf den in Ulm besonderer Druck lastet: Es fehlt an Angeboten in der City. Neu-Ulm schafft Abhilfe: Jahnufer, Konzertsaal, Braun-Areal, auf der Insel - dort entstehen zusammen an die 200 Wohnungen. Eine ihrer Qualitäten besteht darin, dass sie näher zur Ulmer Innenstadt liegen als die meisten Ulmer Wohnungen.

Diese Woche ist nun der Grundstein gelegt worden für das Brückenhaus der Sparkasse, das zusammen mit drei Wohngebäuden entsteht auf der schönsten und teuersten aller Lagen: auf der Insel. 22 exklusive Wohnungen werden gebaut. Sie erreichen zwar nicht die Preise in Münchner oder Stuttgarter Premiumlagen. Das Wohnglück aber beginnt doch bei noch vor kurzem am Neu-Ulmer Markt nicht für möglich gehaltenen 4500 Euro pro Quadratmeter. Nach oben offen ist die Preisskala zwar nicht, endet aber nicht bei 7000 Euro, die beste Lagen auch am Donau-Jahnufer erzielen.

Braucht das Oberzentrum Ulm/Neu-Ulm solche teuren Immobilien mondänen Zuschnitts? Vorbehaltlos: ja! Dies auch im Wissen, dass anderswo - etwa in den USA - die Vorboten der in ihrer Wirkung vor allem für die kleinen Hausbesitzer ruinösen Immobilienblasen immer rasant steigende Preise waren. Doch sehen lokale Marktbeobachter hierzulande keinerlei Anzeichen für eine Blasenbildung. Warum also Wohnungsangebote speziell für die Noblesse? Alte Ulmer werden sich erinnern, was passierte, als in der Euphorie der Gründungsphase der Universität vor 50 Jahren vergessen worden war, hinreichend Bauland und Wohnungen für das Zuzugspublikum bereitzuhalten. Die Professoren und Ärzte zogen reihenweise ins Umland - mit allen Folgen für den Verkehr. Zudem verlor Ulm tüchtige Steuerzahler. Es wird in einer Stadt immer vielschichtige Einkommensgruppen geben, also auch solche, die sich fetten Luxus leisten können. Entsprechend vielschichtig sollte das Immobilien-Portfolio einer Stadt sein. Nur ja kein Neid.

Allerdings: Die geradezu atemberaubende Neubauentwicklung in Neu-Ulm speziell am Donauufer greift nachhaltig in das dortige Milieu ein, das bisher geprägt ist von durchschnittlichen, teilweise auch unterdurchschnittlichen Einkommensgruppen. Die Neu-Ulmer Stadtpolitik ist gut beraten, sich mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, die eine Verdrängung angestammter Kreise verhindern. Ein Instrument der so genannten Gentrifizierung entgegenzuwirken, das die Stadt an der Hand hat, ist ihre kommunale Wohnungsgesellschaft Nuwog. Nichts wäre der Stadtentwicklung abträglicher, als geriete der Neu-Ulmer Nordwesten zum Reichen-Ghetto.